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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Lunam Ottomannicam sub Mariæ pedibus. Der Halbmond, die Türken und wie ein Feindbild erzeugt und erhalten wird

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Meine Ausgangsfrage lautet: Wie lässt sich ein frühchristliches Symbol – die Frau, die auf dem Halbmond steht – zur Inszenierung eines Feindbildes gebrauchen? Oder anders gefragt: Warum können Feindbilder jahrhundertelang wirksam bleiben? Zur Beantwortung dieser wissensgeschichtlichen Fragen bedarf es der Analyse der Medienpraxis in Zeit und Raum. In der Medienpraxis wird durch Materialitäten Wissen vermittelt und durch den Gebrauch von Motiven, Texten, Bildern, Artefakten usw. Bedeutung konstituiert. Sie lässt sich durch den gebrauchshistorischen Zugang entschlüsseln. Zu diesem führt uns das Spätwerk Ludwig Wittgensteins, der seit den 1930er Jahren das Augenmerk auf die Bedeutung generierende Funktion des Sprechens lenkte. In den Philosophischen Untersuchungen heißt es: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“.1 Das Wort gewinnt seine Bedeutung nicht durch den Gegenstand, den es bezeichnet, sondern durch seinen „Gebrauch“: „Um […] [diesen] Gebrauch zu beschreiben […], muß man eine Kultur beschreiben“,2 „das ganze Gewimmel der menschlichen Handlungen, den Hintergrund, worauf wir jede Handlung sehen“.3

Wittgensteins Sprachspielkonzept war eine zentrale Etappe auf dem Weg der Ausbildung jener kritischen Kulturwissenschaften, die sich der Analyse von Handlungszusammenhängen widmen und zeigen wie und wofür Wissen in einer Kultur gebraucht, d.h. in Handlungen wie z.B. Inszenierungshandlungen umgesetzt wurde, wie es Bedeutung gewann oder verlor. Hierfür ist der Feindbildkomplex ein ertragreiches Feld kulturwissenschaftlicher Untersuchung. Um ← 37 | 38 → ihre Abgrenzungs- und Integrationsfunktion zu erfüllen,4 müssen Feindbilder gepflegt, gezeigt, d.h. im öffentlichen Raum inszeniert werden. Der Aspekt der Inszenierung...

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