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«Christian Rock» – Unterhaltung oder mehr?

Eine Betrachtung unter kulturanthropologischen und musikwissenschaftlichen Aspekten

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Wolfgang Kabus and Tobias Rux

Fast unbemerkt hat sich Christian Rock zu einem Phänomen entwickelt, an dem weder Musikwissenschaft noch Kirche vorbeikommen. Sein erklärtes Programm ist die Begegnung mit der Welt des Glaubens. Trotzdem wird er beargwöhnt, ja abgelehnt. So versucht der Autor ganz pragmatisch mit verschiedenen Fragestellungen den wirklichen Sachverhalten auf den Grund zu gehen: Was ist unter Christian Rock zu verstehen? Kann er in seiner musikalischen Grundstruktur überhaupt ein Ort der Gottesbegegnung, ein locus theologicus sein, wie seine Vertreter behaupten? Welche Werte transportiert er? Ist er nicht vielmehr von lasziven Kräften gesteuert, als dass er ein Botschafter christlichen Glaubens sein könnte? Sensibilisiert er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunst, Kultur und Theologie, oder ist er nichts weiter als eine christlich-triviale Musizierpraxis zur Unterhaltung der Menschheit? Diesen Fragen wird in musikwissenschaftlichen sowie kulturanthropologischen Auseinandersetzungen nachgegangen.
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6. Zur Typologie des Christian Rock

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Wofür stehen Christian Rocker und an welchen sozialen oder politischen Aktionen beteiligen sie sich? Inwieweit sind sie den gleichen Gesetzen des Rockmusikgeschäftes unterworfen wie ihre Kollegen aus dem säkularen Bereich? Welche Symboliken und Accessoires tragen und verwenden Konsumenten des Christian Rock, und wie verhalten sie sich? Welche Bandbezeichnungen werden verwendet? Erste Antworten sollen im folgenden Kapitel gefunden werden.

6.1 Politisches und soziales Engagement

Was politisch motivierte Aktionen betrifft, muss zuerst auf U2 verwiesen werden. Die Lieder der wohl politisch einflussreichsten Band1 werden auch als »Soundtrack der gesellschaftlichen Veränderung« bezeichnet.2 Das Engagement und das bis in die höchsten Ämter der Kirche und Politik gesuchte Gespräch wurde mit Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II.,3 Horst Köhler, Nelson Mandela, Bill Clinton oder George W. Bush4 tatsächlich vollzogen. Die Band, allen voran Paul Hewson, hat es geschafft, ihre (christlich geprägten) Vorstellungen den Mächtigen der Welt mitzuteilen und damit positive Impulse zu senden5 – inmitten der Rock-Kultur.

Obwohl der Sänger politisch engagiert ist, würde er sich allerdings nicht für eine politische Karriere entscheiden. Denn als er eingeladen wurde, irischer Präsidentschafts-Kandidat zu werden, was Hinweis gibt auf das Vertrauen, das man in Hewson setzt, lehnte er ab. Diese Entscheidung hatte etwas mit seiner Liebe zur Musik zu tun: »Politicans don’t turn me on, politics doesn’t turn me on, the way music does. Nothing comes close to the feeling of waking up with a...

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