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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Verwandtschaft

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. Da war die besagte Großmutter väterlicherseits: Die Frau hatte, aus Wien nach Braunau zurückgekehrt, dreißig Jahre als Weberin in der Schroll-Fabrik gearbeitet, dem größten Arbeitgeber am Ort, wo schon ihr Vater als Webmeister beschäftigt gewesen war. Sie lebte in einer Einzimmerwohnung in einem Miethaus am Stadtrand, Wasserleitung und Abtritt auf halber Treppe, und war nicht gut angesehen mit dem unehelichen Kind – R.s Vater – und einem stadtbekannten Verhältnis mit dem verheirateten Mann, einem in Braunau ansässigen Italiener, der die Vormundschaft für das Kind übernommen hatte. Sie hatte drei Schwestern und einen Bruder, der von ihrer Mutter auch schon in die Ehe mitgebracht worden war, in jungen Jahren nach Wien ging und dort für eine zahlreiche Nachkommenschaft sorgte. Die Schwestern waren alle ehrbare Frauen geworden, kleinbürgerlich gut verheiratet mit Männern, die für die Familie ein Haus bauen konnten. Die meisten ihrer Kinder, der Cousins und Cousinen von seinem Vater, hatte R. selbst noch kennengelernt. Es dauerte nicht lange, bis für ihn feststand, dass sie, mit einer Ausnahme, alle ungebildet und dumm waren. Vor allem schämte er sich, dass sie nur den heimischen Dialekt sprachen. Hatte er doch in den letzten Kriegsjahren noch mit den etwa gleichaltrigen Kindern einer von Vaters Cousinen Bekanntschaft gemacht, die in Leipzig zuhause waren. Vor den Bombenangriffen hatte die Cousine sie zu den Verwandten nach Braunau geschickt. Nicht das Hochdeutsch des Klassenlehrers Bartmann, das breiteste Sächsisch dieser Kinder hielt er von da...

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