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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Identitätsbildung

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sprozess damit aber nicht abgeschlossen sei, der Mensch vielmehr sein Selbstverständnis immer wieder mit seiner Umwelt abzustimmen habe. Damit, dass er die Identitätsbildung im Großen und Ganzen als einen Anpassungsprozess beschreibt, die Erlangung einer stabilen Ich-Identität ihm nur über die Teilhabe an einer Gruppenidentität als möglich erscheint, hat Erikson jedoch die Kritiker auf den Plan gerufen. So bemerkt z.B. Lothar Krappmann, dass Erikson diese Ich-Identität zwar auch periodisch auftretende Krisen durchlaufen lässt, deren Überwindung, die Abwehr einer Zersplitterung des Selbstbildes, in der Sprache der Psychoanalyse: einer Identitätsdiffusion, jedoch von der bisher erlangten Festigkeit des Selbstbildes abhängig macht. Bei ihm sichere „das Individuum seine Identität, indem es eine möglichst klare Vorstellung von sich selbst zu besitzen trachtet, noch bevor es sich in Interaktionsprozesse verwickelt.“12 Demzufolge müsse Erikson „sich auf die Hoffnung beschränken, daß ← 17 | 18 → Individuen vor allzu divergierenden Anforderungen möglichst bewahrt werden, gesellschaftliche Veränderungen sich nicht zu schnell vollziehen und eingenommene soziale Rollen nicht durch äußere Umstände ein gar zu abruptes Ende finden, damit die Identitätsstruktur des Individuums nicht überfordert wird.“13 Erikson biete nichts an, „was den Individuen helfen könnte, in einer sich ständig wandelnden Welt mit stets divergierenden Normen Identität zu wahren, weil er nicht die Notwendigkeit sieht, Identität neu zu entwerfen.“14 Hingegen ist aus Krappmanns Perspektive „das Individuum als belastbarer anzusehen, wenn seine Identifikationen weniger fest sind, so daß ihm Spielraum und...

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