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Wales

Die Entdeckung einer Landschaft und eines Volkes durch deutsche Reisende (1780-1860)

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Michael Maurer

Wales – Region oder Nation? Jahrhundertelang sah man in Wales nur eine europäische Randlandschaft. In Großbritannien fallen die Waliser auf mit Selbständigkeitsbestrebungen. Diese Textsammlung dokumentiert, wie Wales in den Gesichtskreis der Europäer getreten ist. Deutsche Reisende seit dem späten 18. Jahrhundert begannen sich für Wales zu interessieren als eine alpine Landschaft, die ihrer gesteigerten ästhetischen Sensibilität für das Pittoreske und Sublime entsprach. Unter den frühen Wales-Reisenden sind berühmte Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Carl Gustav Carus. Während die meisten Wales nur kurz auf ihrer Durchreise berührten, treffen wir mit Julius Rodenberg 1856 den ersten Deutschen, der sich unter Walisern niederließ, ihre Sprache erlernte und ihre Lieder sammelte. Berichte aus romantischen Zeiten, als man Wales aber schon mit der Eisenbahn erreichen konnte.
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„Ungeheure unfruchtbare Berge, schroffe Felsenwände“

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Karl Gottlob Küttner (1784)

Wir kamen nun immer jenen hohen Gebirgen des Nordwallis näher, welche besonders in der Grafschaft Caernarvon unter dem Namen der brittischen Alpen1 bekannt sind, und an Höhe nur die wirklichen Alpen über sich haben sollen. So angenehm und erfreulich dieser Anblick einem Bergliebhaber war, so sehr schlug mich der Abstand nieder, der zwischen England und diesem Lande herrscht, besonders wenn man aus dem reichen und fruchtbaren Cheshire kommt. Ungeheure unfruchtbare Berge, schroffe Felsenwände, in denen selbst die genügsame Fichte ihre Nahrung kaum findet; Ebenen, mit Gestrippe und Farrenkraut bedeckt – da sind keine Manufakturen, kein Handel, der etwas sagen will, keine Industrie, die auch die kleinsten Städte Englands belebt; und jene Reinlichkeit, die ein Charakterzug dieses Landes ist, wird hier ganz vermißt. Das Landvolk bettelt, und hin und wieder kamen Knaben und Mädchen weit von den Bergen herab, in elender, zerrissener und unreiner Kleidung, und sangen uns, fast alle im nämlichen Tone und mit der nämlichen Versetzung der Worte an: „Give, God bless you, Sir, a poor girl a half penny.“2

Die Berge sind freylich durch ihre Größe und Form majestätisch, doch haben sie nicht jene reizende Abwechslung, welche die Alpen so anziehend macht, nicht jenes liebliche Gemische von gebauten Feldern, üppigen Wiesen, Triften, verschiedenen Bäumen und Wasserfällen. Alles sieht trocken aus, wiewohl das Land Wasser genug liefert.

Und das ist denn, sagte ich bey mir...

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