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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.
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Mittelschule, höhere Volksschule, Bürgerschule, Realschule

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Sonderschulen

Für Unterricht und Betreuung behinderter Kinder wird teilweise und hauptsächlich nach der Jahrhundertwende mit neuen, gut ausgestatteten sonderpädagogischen Einrichtungen gesorgt. Das betrifft mit der Errichtung von zeittypisch modernen öffentlichen ›Heilanstalten‹ vor allem ›Taubstumme‹ und Blinde, aber auch Kinder mit anderen oder mehrfachen Behinderungen, Kinder, die in sogenannten ›Abnormenanstalten‹, in gesonderten Heimen untergebracht werden.81 Gelegentlich, ← 256 | 257 → dann im ›Heilerziehungsheim‹82, verbinden sich kinder- und jugendpsychiatrische Ansätze mit solchen, die sozialpädagogischer Natur sind.



Musterhaft eingerichtetes Schularztzimmer / Die Deutsche Unterrichts-Ausstellung. Leipzig o.J. [1912], S. 244

Blinde und ›taubstumme‹ Kinder unterliegen seit 1873 in Sachsen, seit 1883 in Baden, 1899 in Braunschweig und ab 1911 auch in Preußen der Schulpflicht. Sie werden für die Dauer der Schulpflicht zum Besuch eines sonderpädagogischen Unterrichts verpflichtet; entweder in einer ›Anstalt‹ oder in der Ortsschule. Für ›bedürftige‹ Kinder aus ärmeren Familien ist der Anstaltsbesuch in jeder Form unentgeltlich. Die behinderten Kinder werden derart spezifisch betreut und gefördert, aber auch aus ihrer bisherigen sozialen Welt herausgelöst. Verschiedentlich richten Städte einen ambulanten Privatunterricht für jene Kinder ein, die auf Grund ihrer Behinderung nicht zur Schule kommen können. Häufig führen die ›Heilanstalten‹ auch eine ›Gewerbeabteilung‹, jedoch bleibt die soziale und berufliche Integration der Behinderten, die teils auch als Erwachsene in den Anstalten verbleiben, ein weithin ungelöstes Problem.

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