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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Religion als Substrat und Zugabe: Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Spannungsfeld von Bedeutungsentleerung und -aufladung: Almut-Barbara Renger

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Almut-Barbara Renger

Religion als Substrat und Zugabe: Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Spannungsfeld von Bedeutungsentleerung und -aufladung

Ein zentraler Bestandteil der Diskussion der Grimm’schen Theorie, Märchen seien der „Niederschlag uralter, wenn auch umgestalteter und zerbröckelter Mythen“ (Vorrede zu Karadžić, Volksmärchen der Serben, 1854), ist die Frage nach religiösen Bezügen im Märchen, zumal in den Kinder- und Hausmärchen, die Jacob und Wilhelm Grimm von 1812 bis 1857 herausgaben. Die Brüder hatten ab 1806 Märchen aus ihrem Bekanntenkreis und literarischen Werken gesammelt und schufen durch ihre, vor allem Wilhelms, Überarbeitungen einen gattungsprägenden Buchmärchenstil, der bis heute das Bild vom Märchen maßgeblich bestimmt. In diesem Beitrag geht es um jene Frage nach religiösen Elementen und Bezügen im Märchen. Nach Vorstellung ausgewählter Forschungspositionen (von Vladimir Propp, Mircea Eliade u.a.) wird das Marienkind als ein Beispiel vorgestellt, das deutlich macht, dass religiöse Elemente in den KHM – als historisches Substrat einerseits und Zutat der Brüder Grimm andererseits – eine der Sammlung eigene Qualität der Bedeutungsentleerung und -aufladung konstituieren, die ein spezifisches Merkmal der Grimm’schen Arbeit an der Gattung Märchen ist.

Einen prominenten Referenz- und Anknüpfungspunkt in der wissenschaftlichen Diskussion um das Verhältnis von Mythos und Märchen bildet eine Bemerkung Wilhelm Grimms im Nachwort (1856) zu den KHM:

Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit...

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