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«Æeneas i Carthago» von Joseph Martin Kraus

Oper als Spiegelbild der schwedischen Hofkultur

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Jens Dufner

Æneas i Carthago von Joseph Martin Kraus bildete das umfangreichste und langwierigste Opernprojekt am Hofe des schwedischen Königs Gustav III. Das Libretto verfaßte der Dichter Johan Henrik Kellgren nach einem Entwurf des Königs. Etwa ein Jahrzehnt, von 1781 bis 1792, wurde an dem opulenten Werk gearbeitet, ohne dass es zu einer Aufführung gekommen wäre. Das permanente Scheitern erweist sich freilich aus Sicht der heutigen Forschung als Glücksfall, da die reichhaltig überlieferten Quellen Entstehung und Entwicklung der Oper anschaulich dokumentieren. Jens Dufner untersucht die dramaturgische und musikalische Umsetzung des Aeneas-Stoffes am schwedischen Hof und analysiert anhand der Genese von Libretto und Musik die komplexen Rahmenbedingungen der «gustavianischen Oper».
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2 Joseph Martin Kraus als Opernkomponist

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2Joseph Martin Kraus als Opernkomponist

2.1 Die Kraus zugeschriebene »Hälfte eines Musikspiels« (VB 24)

Wann sich Kraus erstmals mit dramatischer Musik beschäftigte, ist nicht genau zu ermitteln. Möglicherweise hat er sich bereits in seiner Jugend damit befaßt. Das legt zumindest das Werkverzeichnis nahe, das unter VB 24 das angeblich erste Bühnenwerk des Komponisten aus dem Jahr 1772 bzw. 1773 anführt. Es handelt sich um die »Hälfte eines Musikspiels«, an dessen Komposition Kraus zumindest beteiligt gewesen sein soll. Die Grundlage für diese Behauptung ist allerdings nur ein äußerst vages Briefzitat, das einem erst acht Jahre nach dem Tod des Komponisten verfaßten Schreiben entnommen ist. Pater Alexander Keck (1724–1804), Lehrer und wichtiger Förderer des jugendlichen Kraus, schreibt im Oktober 1800 aus Mannheim an Aloys Kraus, den Bruder des Komponisten: »Im fünften Jahre seines Daseins übergab ich ihm die Hälfte eines MusikSpiels, weil mir die Zeit zu kurz geworden, zu komponieren, welches ihm mit vielem Beifall gelungen.«65 Allein auf der Grundlage dieses Briefes schließt Bertil van Boer, der Herausgeber des Werkverzeichnisses, auf das ›Werk‹. Da Kraus 1768 im Aloysianum des Jesuitenkollegs in Mannheim aufgenommen wurde, datiert es van Boer auf das fünfte Mannheimer Jahr 1772/73. Er vermutet hinter dem »Musikspiel« ein allegorisches Singspiel oder ähnliches.

Außer diesem spärlichen Briefzitat gibt es jedoch keine weiteren Hinweise auf die angebliche Komposition; weder musikalische Quellen noch irgendwelche anderen Zeugnisse von Kraus...

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