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«Æeneas i Carthago» von Joseph Martin Kraus

Oper als Spiegelbild der schwedischen Hofkultur

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Jens Dufner

Æneas i Carthago von Joseph Martin Kraus bildete das umfangreichste und langwierigste Opernprojekt am Hofe des schwedischen Königs Gustav III. Das Libretto verfaßte der Dichter Johan Henrik Kellgren nach einem Entwurf des Königs. Etwa ein Jahrzehnt, von 1781 bis 1792, wurde an dem opulenten Werk gearbeitet, ohne dass es zu einer Aufführung gekommen wäre. Das permanente Scheitern erweist sich freilich aus Sicht der heutigen Forschung als Glücksfall, da die reichhaltig überlieferten Quellen Entstehung und Entwicklung der Oper anschaulich dokumentieren. Jens Dufner untersucht die dramaturgische und musikalische Umsetzung des Aeneas-Stoffes am schwedischen Hof und analysiert anhand der Genese von Libretto und Musik die komplexen Rahmenbedingungen der «gustavianischen Oper».
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3 Entstehungsgeschichte von Æneas i Carthago

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3Entstehungsgeschichte von Æneas i Carthago

3.1 Anlaß und Beginn der Komposition (1781-1782)

So wenig über die erste Aufführung der Oper Proserpin im Juni 1781 eigentlich bekannt ist, so scheint doch eines sicher: Dieses Ereignis war der letztliche Durchbruch für Kraus am schwedischen Hof. Obwohl Proserpin nur innerhalb einer nicht öffentlichen Vorstellung aufgeführt wurde, muß die Oper bei den Anwesenden um König Gustav so viel Eindruck hinterlassen haben, daß Kraus noch im selben Monat als Zweiter Kapellmeister verpflichtet wurde. Er wurde damit dem amtierenden Kapellmeister Francesco Antonio Uttini zur Seite gestellt. Das von Kraus unterzeichnete Vertragsexemplar vom 23. Juni 1781133 belegt, daß man dem kurze Zeit zuvor noch praktisch unbekannten Komponisten mit der Anstellung große Privilegien zuteil werden ließ: Neben den Verpflichtungen als Kapellmeister wird bereits zu diesem Zeitpunkt vertraglich festgehalten, daß Kraus auf Kosten des Königs eine Reise unternehmen werde »zu den ausländischen Orten, wo die Musik, insbesondere die dramatische blüht«; zusätzlich zu seinem Gehalt sollte ihm dabei eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden.134 Die Reise war zu diesem Zeitpunkt noch für anderthalb Jahre angesetzt; bekanntlich sollte sie auf vier Jahre ausgedehnt werden. Kraus wurde damit schon im Juni 1781 in die Riege der jeweils führenden Vertreter der verschiedenen Künste eingereiht, die Gustav III. nach Mittelund Südeuropa schickte.

Auf diesem ersten Höhepunkt seines Ruhms muß Kraus in unmittelbarem Anschluß den Kompositionsauftrag zu Æneas i Carthago erhalten haben. Noch im selben Sommer...

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