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Bürgerliche Familienfeste im Wandel

Spielarten privater Festkultur in Weimar und Jena um 1800

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Susan Baumert

Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung. Zudem bringen sie die soziale Identität der Feiernden und deren individuelle Emotionen zum Ausdruck. Aber wie formiert sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein neues Verständnis des Festlichen? Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang das erstarkende Bürgertum? Und wie gestaltet sich diese Transformation in einem dichten Ereignisraum wie Weimar-Jena? Die Autorin gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen des Festlichen. Im Mittelpunkt steht dabei der private Raum der bürgerlichen Familie. Anhand zahlreicher bisher noch nicht berücksichtigter Quellen stellt sie die Feste des Lebens- beziehungsweise Jahreslaufes dar. Dabei zeigt gerade der Wandel des Festlichen das erstarkende Selbstverständnis des Bürgertums.
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Kapitel II: Verlöbnis – Hochzeit – Eheschließung um 1800

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Kapitel II:  Verlöbnis – Hochzeit – Eheschließung um 1800

Prolog

Besondere Ereignisse des Lebens werden in allen Kulturen mit den sogenannten rites de passage markiert und festlich determiniert.383 Die mimetisch-performativen Ebenen dieser Lebensfeste, die diese Schwellen kulturell begleiten, speichern die Symbolisierungen, die sich aus dem Prozess der Lebensgeschichte heraus ergeben, als festliche Markierungen naturgesetzlicher Schwellen, die in Relation zur jeweiligen Biographie ihre Aussagekraft gewinnen.384

Einer der wohl bewegendsten und dadurch festlich markierten Übergänge im Leben eines Menschen war der Hochzeitstag. „Ein Tag der Freude, der hellsten und ausgelassensten Freude […]. Der Tag der Heimführung der Braut [ist] der schönste des ganzen Lebens“ konstatierte Franz Schmidt 1863 in seinen Ausführungen über dieses biographisch wichtige Ereignis.385 ← 111 | 112 →

Der Übergang vom Stadium der Kindheit zum Erwachsenenalter vollzog sich um 1800 erst durch die Eheschließung und dem daraus hervorgehenden eigenen Hausstand.386 Der Tag der Hochzeit mit dem damit verbundenen Fest der Verehelichung war für Braut und Bräutigam demnach ein Ereignis von höchster Bedeutung:387 Eine Eheschließung brachte immer Veränderungen im sozialen Beziehungsnetz mit sich, neue soziale Bindungen entstanden und alte wurden intensiviert.388 In den privaten, aber auch halböffentlichen Festsequenzen wurden die neuen familiären Verknüpfungen feierlich besiegelt und deren Bedeutung rituell, symbolisch sowie kommunikativ hervorgehoben. „In allen Schichten gehörte eine Heirat zu den herausragenden Ereignissen. Verlobung, Trauung und Hochzeit wurden überall ausgiebig gefeiert, oft unter Überschreitung der materiellen Möglichkeiten“.389

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