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Bürgerliche Familienfeste im Wandel

Spielarten privater Festkultur in Weimar und Jena um 1800

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Susan Baumert

Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung. Zudem bringen sie die soziale Identität der Feiernden und deren individuelle Emotionen zum Ausdruck. Aber wie formiert sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein neues Verständnis des Festlichen? Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang das erstarkende Bürgertum? Und wie gestaltet sich diese Transformation in einem dichten Ereignisraum wie Weimar-Jena? Die Autorin gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen des Festlichen. Im Mittelpunkt steht dabei der private Raum der bürgerlichen Familie. Anhand zahlreicher bisher noch nicht berücksichtigter Quellen stellt sie die Feste des Lebens- beziehungsweise Jahreslaufes dar. Dabei zeigt gerade der Wandel des Festlichen das erstarkende Selbstverständnis des Bürgertums.
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Kapitel I: Der bürgerliche Sonntag

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Kapitel I:  Der bürgerliche Sonntag

Prolog

Der Sonntag ist im Christentum ein gottgeweihter Tag. Da er fortwährend an die Auferstehung Jesu erinnern soll, wurde er für die Gemeinden zu einem Gottesdiensttag.704 Durch die gottesdienstliche Feier des Sonntags kommt es zur immer neuen Erinnerung an das Erlöstsein durch Jesus, welche diesen Tag zu einem Freudentag der gläubigen Christen macht. Als eine Art wöchentliches Ostern, das jede Woche feierlich begangen wird, ist der Sonntag neben Weihnachten das wichtigste Fest für das Christentum.

Als anthropologische Konstante ist der Sonntag ein feierliches Ereignis, dessen Struktur und immer wiederkehrender Rhythmus „die Vorläufigkeit der Zeit“ und „die Zeitmächtigkeit Gottes“ betont.705 Besonders im sonntäglichen Gottesdienst und seinen religiösen Ritualen feiert der Gläubige sein Dasein als von Gott geschenkte Zeit, wobei dessen sinn- und gemeinschaftsstiftende Funktion für das christliche Kollektiv von enormer Bedeutung ist.706

Der Mensch ist aufgrund seiner Natürlichkeit der Zeit unterworfen. Er muss sie für sich kultivieren, sodass er im Fluss der Zeit nicht verloren geht. Indem er die Zeit chronometrisch misst und berechnet, hat er die Möglichkeit, sich in seiner Gesellschaft zu koordinieren und zu verständigen.707 Je mehr die Aktivitäten der Menschen miteinander verwoben sind und die gegenseitigen Abhängigkeiten ansteigen, desto notwendiger wird das Abstimmen der Zeitpläne des Einzelnen.

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