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Bürgerliche Familienfeste im Wandel

Spielarten privater Festkultur in Weimar und Jena um 1800

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Susan Baumert

Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung. Zudem bringen sie die soziale Identität der Feiernden und deren individuelle Emotionen zum Ausdruck. Aber wie formiert sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein neues Verständnis des Festlichen? Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang das erstarkende Bürgertum? Und wie gestaltet sich diese Transformation in einem dichten Ereignisraum wie Weimar-Jena? Die Autorin gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen des Festlichen. Im Mittelpunkt steht dabei der private Raum der bürgerlichen Familie. Anhand zahlreicher bisher noch nicht berücksichtigter Quellen stellt sie die Feste des Lebens- beziehungsweise Jahreslaufes dar. Dabei zeigt gerade der Wandel des Festlichen das erstarkende Selbstverständnis des Bürgertums.
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Einleitung: Thema, Methode, Quellen

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Die aktuelle Forschung in den Bereichen von Kultur, Gesellschaft und Politik geht seit geraumer Zeit verstärkt von dem Umstand aus, dass Erfahrung und Bildung, gesellschaftliche Übereinkünfte und soziale Interaktion nicht allein durch Raum, sondern ganz wesentlich durch Zeit strukturiert werden. Der Begriff der Zeitlichkeit, in seinen phänomenologischen Ausprägungen wie Beschleunigung, Mobilität und Prozessualität hat jüngst eine besondere Relevanz innerhalb dieser Diskurse gewonnen.1

Gerade innerhalb der kulturhistorischen Behandlung nimmt die Kultivierung der Zeit durch den Menschen und dessen Zeitbewusstsein einen zentralen Platz ein. Unter dem Stichwort der Zeitkultur strebt die kulturhistorische Forschung nach der anthropologischen Erkenntnissuche, welches Bewusstsein der Mensch von seiner Zeit hat, wie er mit seiner Zeit umgeht, und ob bzw. wie er sie gestaltet, sie mit Sinn auflädt und strukturiert.2 Dabei wird sinnfällig, dass sich jede Kultur nicht zuletzt durch ihren Umgang mit der Zeit und deren Gliederung definiert: Man unterscheidet zurückliegende und bevorstehende, teils willkürlich, teils durch gesellschaftliche bzw. naturgegebene Einflüsse eingetretene und ← 11 | 12 → noch zu erwartende Ereignisse. Einen Großteil dieser Ereigniskultur bildet der Komplex des Festlichen.3

Feste und Feiern erscheinen als jedem aus eigener Erfahrung unmittelbar zugängliche Themenbereiche: Feste tragen wesentlich zur Gliederung und Formung der individuellen Lebenszeit bei, indem die soziale Dimension von Zeit Zyklen der Jahresfolge mit dem unwiederholbaren Fluss menschlichen Lebens verknüpft.4 Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung im gestaltlosen Verfließen der Zeit.5 Sie...

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