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Literalität und Partizipation

Über schriftsprachliche Voraussetzungen demokratischer Teilhabe

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Edited By Demokratie-Stiftung der

Die Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln veranstaltete im März 2012 in Kooperation mit der Demokratie-Stiftung eine internationale Fachtagung zum Thema Literalität und Partizipation, um einen aktiven Austausch verschiedener Akteure der (politischen) Grundbildung und ihrer Perspektiven zu ermöglichen. Das Anliegen der Veranstaltung war, die Bedeutung schriftsprachlicher Grundbildung für die aktive Teilhabe am gesellschaftlich-demokratischen Prozess herauszuarbeiten. Migration und kulturelle Heterogenität wurden mit Blick auf das herrschende Verständnis von Grundbildung und ziviler Teilhabekompetenz reflektiert. Hierauf folgte die Erörterung von Zielfiguren und didaktischen Konsequenzen für die politische Bildung.
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Ist Lesekompetenz eine Aufgabe der politischen Bildung? Anmerkungen zum Konzept der „politischen Lesekompetenz“

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Professorin Dr. Bettina Zurstrassen,Fachdidaktik der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum.

Sehr geehrte Damen und Herren, ist Lesekompetenz eine Aufgabe für die demokratisch-politische Bildung? Angesichts des heutigen Tages kann man diese Frage nur positiv beantworten. Ausgehend von der Definition der OECD zum Begriff der Lesekompetenz möchte ich meine Fragestellung und die Gliederung des Vortrages entwickeln und damit noch einmal grundsätzlichere Fragen aufwerfen.

Die OECD definiert Lesekompetenz „als die Fähigkeit, geschriebene Texte zu verstehen und zu nutzen, über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potential weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“ (http://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-vonpisaerfasstekompetenzen). Aus einer psychologischen und auch pädagogischen Perspektive ist die Betonung der Selbstautonomie zunächst positiv zu bewerten. Politisch muss man die Definition etwas differenzierter und kritischer deuten, denn die OECD transportiert mit der Definition ein sehr wirtschaftsliberales Verständnis der Bürgerrolle. Sozialpolitisch steht hinter der OECD-Definition die Debatte über die Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Die darin enthaltene Forderung nach einer Stärkung der Selbstautonomie zielt auf die Legitimierung des Rückbaus des Sozialstaates ab. Arbeitssoziologisch muss man die Definition im Zusammenhang mit der Debatte um das Konzept über den „Arbeitskraft-­Unternehmer“ deuten (vgl. Pongratz/Voß 1998), wonach der Arbeitnehmer sich als Unternehmer seiner Arbeitskraft eigenständig und selbstverantwortlich für den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt qualifizieren und organisieren soll. Anstelle der unbefristeten Festanstellung werden Arbeitsverhältnisse zunehmend befristet für die Laufzeit von Projekten abgeschlossen, oft in Form ← 99 | 100...

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