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Die geschenkte Reformation

Bücher als Geschenke im England des 16. Jahrhunderts

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Tobias Budke

Tobias Budke befasst sich mit Büchern als Geschenken vor dem Hintergrund der englischen Reformation. Deren stürmische Entwicklungen und oft unvorhersehbare Wendungen schlugen sich in faszinierender Weise in den Buchgeschenken der Zeit nieder. Heinrich VIII., Edward Seymour, Thomas Cranmer oder John Dee – sie alle machten und/oder erhielten Buchgeschenke, und sie waren in bester Gesellschaft. In einer Vielzahl von Fallstudien beschreibt der Autor die komplexen Beziehungen zwischen Schenkern, Empfängern und anderen Beteiligten. Außerdem zeigt er die zahlreichen Facetten und Funktionen dieser Geschenkpraxis auf: das Buch als ganz besonderes Geschenk.
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1. Einleitung

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Im August 1555 eignete der katholische Theologe, Humanist und Übersetzer Gentian Hervet (1499–1584)1 dem englischen Kardinal Reginald Pole (1500–1558), der sich nach der Thronbesteigung Maria Tudors (r.1553–1558) seit 1554 wieder in England aufhielt, seine Übersetzung der Historia Lausiaca des Palladius von Helenopolis2 zu. Hervet hatte dieses Werk aus dem Griechischen übertragen, obgleich Pole diese Sprache beherrschte, wie Hervet in seiner Zueignung einräumte3, in der er eine Parallele zwischen den wegen ihres Glaubens verfolgten Mönchen in der Wüste und der Situation des Kardinals zog. Dieser hatte, nachdem Heinrich VIII. (r.1509–1547) mit Rom gebrochen hatte, bis zum Tode Eduards VI. (r.1547–1553) ein langes Leben im Exil geführt, ebenfalls verfolgt wegen seiner religiösen Überzeugung.4 Die näheren Umstände dieses Buchgeschenks sind durchaus von Interesse, bilden aber kein ungewöhnliches Beispiel in der Geschichte des religiösen Buchgeschenks im England der Reformationszeit. Einige Aspekte religiöser Buchgeschenke, die im Verlaufe dieser Arbeit noch erläutert werden sollen, lassen sich an diesem Buchgeschenk aufzeigen, etwa die Frage nach der Motivation des Schenkenden oder diejenige nach der materiellen oder nicht-materiellen Ebene eines Buchgeschenks, aber das Buch ist deshalb besonders bemerkenswert, weil es möglicherweise die älteste Quelle ist, in der ein Buchgeschenk im christlichen Kontext erwähnt wird, wenn man Palladius glauben darf:

Ebenfalls in genannter Stadt trafen wir einen Mönch, der kurze Zeit Soldat gewesen war. […] Er führt schon in das zwanzigste Jahr ein asketisches Leben […]. Die...

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