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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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15. Risorgimento

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Risorgimento

Verdis frühe italienische Opern sind von der Operngeschichte überwiegend als Manifestation patriotischer Gesinnung innerhalb der italienischen Risorgimento-Bewegung interpretiert worden und wurden als bedeutender Akkulturationsprozeß in die Untersuchung der Geschichte der Einigung Italiens aufgenommen632. Da kein anderer zeitgenössischer Komponist so viele emblematische, einprägsame patriotische Gesänge über leidende Völker produzierte wie Verdi in seiner frühen und mittleren Schaffensperiode, die genau mit den Jahren der Vorgeschichte und der frühen Entwicklung des Risorgimento korrespondieren, kam es bekanntlich dazu, daß die Proklamierung eines gesamtitalienischen Königtums 1861 mit dem Slogan »Viva VERDI!« lanciert wurde, in dem der Name des Komponisten als Akronym für die in ihm versteckte Botschaft »Viva Vittorio Emanuele, Re d’Italia« instrumentalisiert wurde. Als bekanntestes Beispiel und Chiffre des Risorgimento-Chors des »maestro della rivoluzione italiana« und »papà dei cori«633 zeichnen sich drei Chöre aus: der Chor der hebräischen Flüchtlinge »Va, pensiero« aus Nabucco (1842), der Chor der in den Kreuzzug ziehenden Lombarden »O Signore, dal tetto natìo« aus I Lombardi alla prima Crocciata (1843) und der Chor der schottischen Flüchtlinge »Patria oppressa« aus Macbeth (1847). Die zwei ersten Chöre weisen eine deutliche motivische Affinät in ihrem stets im langsamen 6/8 Takt bzw. in auftaktigem 4/4 Takt aufzuführenden feierlichen Unisono-Vortrag aus, die nicht bloß thematisch bedingt ist, sondern ebenfalls auf die identische Strukturierung des Textes durch den Librettisten Temistocle Solera zurückgeht. Der berühmte Vorläufer »Va, pensiero« gibt in...

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