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Gestalt und Gestaltung in interdisziplinärer Perspektive

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Edited By Ellen Aschermann and Margret Kaiser-El-Safti

Die gestaltpsychologische Schule war ein Meilenstein innerhalb der Theoriebildung der deutschen und österreichischen Philosophie und empirischen Psychologie. Unterschiedliche Schulen folgten ihr nach. Der Einflussbereich der Theorie erstreckte sich ab den 1890er Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auch auf angrenzende Disziplinen wie Musik-, Sprach- und Kunstwissenschaft. Bis heute wurde die Autorenschaft von Carl Stumpf und dessen erkenntnistheoretische Fundierung der Gestalt- und Ganzheitspsychologie noch wenig erforscht. Die Wiederbelebung der Lehre Stumpfs könnte hoch aktuelle Fragestellungen wie die nach dem Leib-Seele-Verhältnis vertiefen, aber auch erkenntnistheoretischen, lernpsychologischen und ästhetischen Fragen neue Anhaltspunkte und neuen Aufschwung verschaffen.
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Ist der Begriff der Gestalt bei Carl Stumpf mit dem Konzept der musikalischen Energie von Ernst Kurth vereinbar?

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Zusammenfassung

Das Wesen des Tones und das Wesen der Konsonanz waren im 19. Jh. ein zentrales Problem, dem sich Physiker, Philosophen und Psychologen gleichermaßen widmeten. In seiner zweibändigen Tonpsychologie fasst Carl Stumpf (1883 / 1890) seine philosophischen, erkenntnistheoretischen und psychologischen Überlegungen und experimentellen Untersuchungen zusammen, um die Gesetze des Hörens sukzessiver und simultaner Zweiklänge darzulegen. Dabei besticht das Werk bis heute durch die Gründlichkeit der Untersuchung und die logische Stringenz der Argumentation und zeigt den philosophisch umfassend gebildeten Logiker und Erkenntnistheoretiker.

Im Jahr 1931 veröffentlichte der Berner Musikwissenschaftler Ernst Kurth mit der Musikpsychologie ein Werk, das einer ganzen Disziplin den Namen geben sollte. Kurth erklärt die Wirkung von Musik als seelisches Krafterlebnis, das er mit Begriffen aus der Physik umschreibt. Als Musikwissenschaftler hatte sich Kurth durch seine musikalischen Analysen insbesondere der Musik von J. S. Bach, Richard Wagner und Anton Bruckner einen Namen gemacht. In seinen Analysen liest Kurth die Spannungsverläufe aus der satztechnischen Struktur der Komposition ab. Da sich Kurth ausdrücklich auf Carl Stumpfs Tonpsychologie bezieht, liegt der Gedanke nahe, dass Kurth die Überlegungen von Carl Stumpf in seiner Musikpsychologie fortführt und um das Musikerlebnis ergänzt. Es zeigt sich aber, dass Kurths Denken nicht nur in vielen Details Stumpfs Ansichten widerspricht. Stumpf hat sich in seinen erkenntnistheoretischen Überlegungen insbesondere um die Grundlegung einer wissenschaftlichen Psychologie bemüht (Kaiser-el-Safti, 2001), Kurth bestreitet die Möglichkeit einer „erkenntnistheoretischen Verankerung in aller Psychologie“. Seine Kraftmetaphorik wird von...

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