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Wilhelm Weitling (1808–1871)

Eine politische Biographie- Teil 1 und Teil 2

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Waltraud Seidel-Höppner

Wilhelm Christian Weitling zählte zu den bedeutendsten deutschen Frühsozialisten und Organisatoren der frühproletarischen Bewegung. Diese politische Biographie befasst sich mit dem Leben Weitlings von der Kindheit über die Ausbildung bis zum revolutionären Demokraten und zu seinen politischen Aktivitäten. Auch seine wichtigsten politischen Theorien und Werke werden vorgestellt und interpretiert. Weitling forderte eine soziale Republik, die allen Menschen Arbeit und soziale Sicherheit gewähren sollte. Seine scharfsinnige Sozialkritik orientierte sich am Urchristentum, und er betrachtete die demokratische Partei zur Rettung der Revolution 1848/49 als unverzichtbar. 1849 schloss er seine Vereine der Arbeiterverbrüderung an und emigrierte dann in die USA, wo er 1871 starb.
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VI. Das Corpus delicti

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VI.  Das Corpus delicti

»Mein ›Evangelium der armen Sünder‹ hielt ich für eins der geeignetsten Mittel, durch seine Verbreitung die Führer der heuchlerisch-pfäffischen Aristokratenpartei zu entlarven und dem Rest die Augen zu öffnen. Es hatte den Zweck, da überall am Glauben festhalten zu machen, wo er das geistige und materielle Interesse des Nächsten nicht gefährdet, und jede Ausbeutung desselben zum ausschließlichen Vorteil einiger zu vereiteln.«

(Gerechtigkeit, S. 41.)

Diese beiden Sätze enthalten alles Wesentliche, was ihn bewog, sein theoretisches Hauptwerk unmittelbar nach seinem Erscheinen durch eine Interpretation des Neuen Testaments zu ergänzen. Seine Belege sind überprüfbar. Dennoch ist dieses Büchlein von allem, was er schrieb, am meisten umstritten. Angefochten wird die von ihm hergestellte Beziehung zwischen kommunistischer Theorie und Religion. Gefragt wird nach ihrem Charakter: handelt es sich um Rationalismus oder Mystizismus, Säkularismus oder messianische Heilslehre, religiöse Überzeugung oder politische Demagogie? Konträr beantwortet wird bis heute die Frage: War Weitling Sozialrevolutionär aus religiöser Heilserwartung oder akzeptierte er das Christentum, weil es mit sozialrevolutionärer Haltung vereinbar war? Uneins sind sich die Forscher über Weitlings geistige Väter, schließlich über die politischen Auswirkungen kommunistischen Tolerierens der Volksreligion. Offensichtlich wurde sein Ansinnen seinerzeit sowohl von Kirchenvertretern wie von Anhängern und proletarischen Lesern mühearmer verstanden als im Lichte eines religiösen oder atheistischen Fundamentalismus der Folgezeit. Dem Züricher Kirchenrat genügt die Ankündigung, um Weitlings Bibelinterpretation...

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