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Poetologie der Erinnerung

«Lisbon Story» von Wim Wenders

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Lena Wetenkamp

Im Zentrum des Buches steht der Film Lisbon Story (1994) des Regisseurs Wim Wenders. Der Film wird als eine Darstellung des Gedächtnisdiskurses gelesen und in den Zusammenhang von Intertextualität und Gedächtnis gebracht. Das Thema Erinnerung wird in Lisbon Story über Zitate, durch Farbgestaltung, Geräusche und Medialität motivisch und thematisch in den Vordergrund gestellt. Die Studie weist die in den Film eingelagerten Referenzen an die Filmgeschichte – insbesondere die Regisseure Dziga Vertov und Manoel de Oliveira – und die intertextuellen Bezüge auf das Werk des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa nach. Zusätzlich zeigt sie, dass in Lisbon Story die Stadt Lissabon als Erinnerungsraum inszeniert wird, der seine Geschichte erzählen will.
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2. Das Gedächtnis der Orte – Lissabon als Gedächtnisraum

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„Wie oft entsinne ich mich um besser entspannen zu können, dessen, was nie war, und in meinen Erinnerungen an die Orte, an denen ich lebte, ist nichts von der Klarheit und Sehnsucht der Erinnerungen, die, knarrend Diele um Diele, die weiten Räume von einst bewohnen, in denen ich niemals wohnte.“63

Seit Beginn des Kinofilms werden Städte und Metropolen filmisch explizit in Szene gesetzt. Es gibt unzählige Filme, die Städte thematisieren – man denke nur an Metropolis (1927) von Fritz Lang oder Naked City (1948) von Jules Dassin, oder spätere Filme wie Manhattan (1979) von Woody Allen. In diesen Filmen bleiben die Städte nicht nur Kulisse, sondern werden zu eigenständigen Persönlichkeiten, zu den heimlichen Hauptfiguren.

Auch Roma (1972) von Federico Fellini, oder Roma, Open City (1945) von Roberto Rossellini können als besondere Inszenierungen einer Stadt gelesen werden. Wenders selbst hat in seinen früheren Filmen, wie z.B. in Der Himmel über Berlin (1987), immer wieder die Stadt inszeniert. Aber auch in Palermo Shooting aus dem Jahr 2008 steht die Stadt Palermo klar im Mittelpunkt. Wenders, der in einem Interview als „Stadtregisseur“64 bezeichnet wird, bekennt, dass Städte für ihn wie Charaktere sind,

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