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Poetologie der Erinnerung

«Lisbon Story» von Wim Wenders

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Lena Wetenkamp

Im Zentrum des Buches steht der Film Lisbon Story (1994) des Regisseurs Wim Wenders. Der Film wird als eine Darstellung des Gedächtnisdiskurses gelesen und in den Zusammenhang von Intertextualität und Gedächtnis gebracht. Das Thema Erinnerung wird in Lisbon Story über Zitate, durch Farbgestaltung, Geräusche und Medialität motivisch und thematisch in den Vordergrund gestellt. Die Studie weist die in den Film eingelagerten Referenzen an die Filmgeschichte – insbesondere die Regisseure Dziga Vertov und Manoel de Oliveira – und die intertextuellen Bezüge auf das Werk des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa nach. Zusätzlich zeigt sie, dass in Lisbon Story die Stadt Lissabon als Erinnerungsraum inszeniert wird, der seine Geschichte erzählen will.
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4. Medien im Mittelpunkt

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„Der Zauber der Vergangenheit? Unser Sich-an-sie-Erinnern, denn sich an sie erinnern heißt, sie Gegenwart werden zu lassen, was sie nicht ist noch sein kann.“235

Dass Wenders sich in seinen Filmen immer wieder auf andere Medien bezieht und auch dass die Medien selbst in seinen Filmen immer wieder gezeigt werden, wurde in der Forschung bereits festgehalten.236 So dreht sich schon im Film Im Lauf der Zeit (1976) alles um das Medium Kino, wenn die beiden Protagonisten Robert (Hanns Zischler) und Bruno (Rüdiger Vogler) die deutsch-deutsche Grenze abfahren, um in den Kleinstädten die Projektoren der Kinos zu reparieren. Und auch in Der Stand der Dinge steht ein ganzes Filmteam mit der umfangreichen technischen Ausstattung eines Filmdrehs im Mittelpunkt der Handlung. In Lisbon Story wird den Medien aber an zwei Stellen ein ganz besonderer Ausstellungsraum geschaffen. Die technische Seite der Kinogeschichte wird in Monroes Wohnung wie in einem Museum der Medien ausgestellt (Abschnitt 4.1), und an anderer Stelle wird ein Archiv der Töne präsentiert (Abschnitt 4.4). Ihnen kommt die gleiche bewahrende Funktion zu, wie herkömmlichen Archiven und Bibliotheken. In der Herausstellung dieser medialen Seite der Erinnerung, lassen sich Bezüge zu Walter Benjamins kritischer Auseinandersetzung mit den Medien herstellen, auf der anderen Seite steht Wenders dem Kunsthistoriker Aby Warburg nahe, dem die kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung wichtige Impulse verdankt (Abschnitt 4.2).Warburgs an der Bildlichkeit orientierte Arbeit lässt sich darüber hinaus mit Wenders’ Filmschaffen in Verbindung bringen, wenn es um die...

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