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Poetologie der Erinnerung

«Lisbon Story» von Wim Wenders

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Lena Wetenkamp

Im Zentrum des Buches steht der Film Lisbon Story (1994) des Regisseurs Wim Wenders. Der Film wird als eine Darstellung des Gedächtnisdiskurses gelesen und in den Zusammenhang von Intertextualität und Gedächtnis gebracht. Das Thema Erinnerung wird in Lisbon Story über Zitate, durch Farbgestaltung, Geräusche und Medialität motivisch und thematisch in den Vordergrund gestellt. Die Studie weist die in den Film eingelagerten Referenzen an die Filmgeschichte – insbesondere die Regisseure Dziga Vertov und Manoel de Oliveira – und die intertextuellen Bezüge auf das Werk des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa nach. Zusätzlich zeigt sie, dass in Lisbon Story die Stadt Lissabon als Erinnerungsraum inszeniert wird, der seine Geschichte erzählen will.
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6. Schlussbetrachtung

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Aus den vorangehenden Interpretationen wird ein von der vordergründigen Handlung ferner Subtext in Wenders’ Film Lisbon Story deutlich. In den Film sind visuelle und akustische Zitate und Anspielungen an die Filmgeschichte eingelagert, die der Betrachter als Spuren entdecken und interpretieren kann. Durch diese Zitate, die den Film wie ein feingesponnenes Netz durchziehen, wird ein Gedächtnisraum entworfen, in dem die Geschichte des Films und der Medien selbstreflexiv aufgedeckt wird. Die Anspielungen auf die unterschiedlichen Regisseure, Filme, auf die Literatur – vor allem den Dichter Fernando Pessoa – und die Musik – vorwiegend repräsentiert durch die Musik-Gruppe Madredeus – werden im Film bemerkenswerterweise nicht in einer abwehrenden Haltung verwendet, die alle Spuren der Vorgänger des Films zu löschen oder zu überbieten versucht. Es wird deutlich, dass dieses intertextuelle Verfahren der Partizipation als ein dialogisches angelegt ist, welches bewusst macht, dass ein Film niemals isoliert entstehen kann, sondern sich immer in einem kulturellen Kontext von Vorgängerfilmen, Literatur und anderen Künsten befindet, dessen Kenntnis auch die Rezeption durch den Betrachter beeinflusst. Dieses Bewusstsein macht Wenders explizit, wenn er die Zitate und Anspielungen in seinen Film wie in eine Schatzkammer oder ein Museum einschließt und sie dem Betrachter zur Anschauung und Interpretation überlässt.

Diese Selbstbezogenheit und Reflexivität ist ein typisches Gestaltungsmittel des Neuen Deutschen Films. Bei Wenders handelt es sich aber nicht nur um eine selbstreflexive Meditation über die Vorläufer und die Bedingtheit des Filmschaffens. Der aufgeworfene Gedächtnisraum wird vielmehr durch die besondere...

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