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Morgenland und Moderne

Orient-Diskurse in der deutschsprachigen Literatur von 1890 bis zur Gegenwart

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Axel Dunker and Michael Hofmann

Die Ereignisse nach dem 11. September 2001 und die jüngsten gesellschaftlichen Umbrüche im Nahen Osten, der Irak-Krieg, der Bürgerkrieg in Syrien, der fortdauernde Konflikt in Afghanistan, aber auch die interkulturellen Probleme innerhalb Deutschlands machen deutlich, wie wichtig die Bilder und Vorstellungen sind, die sich der «Westen» vom traditionell auf den Begriff des «Orients» gebrachten Nahen und Mittleren Osten macht. Die Beiträge dieses Bandes geben Aufschlüsse über das Verhältnis von Identität und Alterität, von Selbst- und Fremdbildern im Verhältnis der deutschen Kultur und Gesellschaft zum «Orient».
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Alexander Honold: Orientalismus am Wendepunkt. Zur kulturellen Topographie von Franz Werfels Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh

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„Wie komme ich hierher?“1 Kein schlechter Anfang für einen Roman, denn die Frage führt unweigerlich in zwei Richtungen zugleich: in eine Vergangenheit zurück, deren Vergegenwärtigung Zeit brauchen wird und darum Zukunft schafft. Die Szene spielt in der „durchglänzten Frühe“ eines März-Sonntags 1915 an den Hängen des armenischen Berges Musa Dagh oberhalb der Ebene von Antiochia. Der Fragende steigt einen Hirtenpfad am Berg hinauf, um Übersicht zu gewinnen. Gabriel Bagradian, eine „Gestalt“ im „Touristenanzug“, fällt auf. Von oben geht der Blick zurück.

Nun sieht Gabriel, woher er kommt: Das Haus leuchtet mit seinen grellen Mauern und dem flachen Dach zwischen den Eukalyptusbäumen des Parks. Auch die Stallungen und das Wirtschaftsgebäude blinken in der sonntäglichen Morgensonne. Obgleich zwischen Bagradian und dem Anwesen schon mehr als eine halbe Wegstunde Entfernung liegt, scheint es immer noch so nahe, als sei es seinem Herrn auf dem Fuß gefolgt. Doch auch die Kirche von Yoghonoluk weiter unten im Tal grüßt ihn deutlich mit ihrer großen Kuppel und dem spitzhütigen Seitentürmchen. Diese massig ernste Kirche und die Villa Bagradian gehören zusammen. Gabriels Großvater, der sagenhafte Stifter und Wohltäter, hat beide vor fünfzig Jahren erbaut. (MD, 14)

„Er, der Begründer jenes bekannten Stambuler Welthauses, das in Paris, London und New York Niederlassungen besaß, residierte, soweit es seine Zeit und seine Geschäfte zuließen, Jahr für Jahr in der Villa...

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