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Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

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Edited By Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
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Literarische „Genrebilder“. Visualisierung von Großstadt bei Rellstab, Glaßbrenner und Beta

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← 80 | 81 →Olaf Briese

Der Forschungsstand zu literarischen Genrebildern ist unbefriedigend. Erst ein Sammelband zum Thema der Theorie und Geschichte der literarischen Kleinen Form und vor allem Martina Lausters Studie Sketches of the Nineteenth Century. European Journalism and its Physiologies, 1830-50 (beide 2007) schenkten dieser Kleingattung größere Aufmerksamkeit.1 Dieser Beitrag möchte, konzentriert auf die Jahre 1830-1850, den Status von literarischen Genrebildern am Beispiel Berlins untersuchen (auch ‚Bambocciaden‘, ‚Umrisse‘, ‚Miniaturen‘, ‚Skizzen‘, ‚Fresco-Bilder‘, ‚Panoramen‘, ‚Daguerreotypie-Bilder‘, ‚Lebensbilder‘, ‚Charakteristiken‘, ‚Porträts‘, ‚Physiologien‘ u.a.). Im genannten Zeitraum führten im deutschsprachigen Raum mehr als einhundert Bücher das Signalwort ‚Genrebild‘ im Titel, und der Anteil von Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen dürfte in die Tausende gehen. Es handelt sich um literarische Kleinformen (in Buchpublikationen dann meist abwechslungsreich miteinander kombiniert), die sich durch mindestens folgende Merkmale auszeichnen: Es sind literarische Kleinformen publizistisch-journalistischen Zuschnitts; sie sind vornehmlich fokussiert auf städtische, nicht mehr ländliche Prozesse; ihre Referenzebene ist nicht das (im Salon) Gehörte, sondern das (flaneurhaft) auf der Straße Gesehene; Gegenständliches und Materielles sowie Stadträumliches sind wesentliche thematische Elemente; sie fokussieren sich auf ‚Typisches‘; was Akteure betrifft, nehmen sie das sog. Volk (ebenso wie Unterschichten) in den Blick; verklärende Idyllik weicht der Tendenz nach nüchterner Realistik; sie sind zumeist humorvoll (bzw. komisch oder witzig) angelegt, gegebenenfalls aber auch, wenn scharfe Sozialkritik dominiert, sentimental oder tragisch; ihr Rekurs auf das ‚Visuelle‘ ist oft schon im Titel unübersehbar; sie versuchen, ausgehend von punktuellen Momentaufnahmen, ← 81 | 82 →mitunter...

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