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Handbuch Angewandter Dramaturgie

Vom Geheimnis des filmischen Erzählens – Film, TV und Games

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Kerstin Stutterheim

Dramaturgie hat eine lange Tradition, auch im Bereich von Film und Fernsehen. In diesem Buch wird ein Überblick über dramaturgische Grundlagen und die Besonderheiten der Filmdramaturgie gegeben. Darüber hinaus wird auf Aspekte der Gestaltung von Games verwiesen. Kenntnisse der Filmdramaturgie ermöglichen es, einem Film, einer TV-Serie oder auch einem narrativen Game zu seiner bestmöglichen Entfaltung zu verhelfen, ohne diesem standardisierte Grenzen einer Formatvorlage aufzuerlegen. Ebenso kann eine Kenntnis der Filmdramaturgie die Analyse von audio-visuellen Werken unterstützen, um die künstlerische Prozesse erkennen, verstehen und gestalten zu können, die dessen Erfolg beeinflussen. Es werden Traditionen und Modelle der Filmdramaturgie an bekannten Beispielen sowie aus der Praxiserfahrung heraus und für diese anwendbar diskutiert.

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Die Personage – Charaktere und Figuren

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Figuren stehen in narrativ-performativen Werken grundsätzlich im Dienst der Handlung. Nicht umgekehrt. Sie existieren nicht außerhalb der Handlung, des Films, des Spiels und agieren nicht von sich aus. Figuren dienen dazu, das Thema und die Geschichte sinnlich und sinnhaft darstellen zu können und nicht nur von einem Geschehen zu berichten. Schauspieler_innen geben diesen Figuren eine spezifische Prägung und gestalten die Entfaltung glaubhafter Charaktere, die uns deren Funktion vergessen lassen.308

Georg Kaiser schrieb dazu: „Die Idee ist ihre Form. Jeder Gedanke drängt nach der Prägnanz seines Ausdrucks. Die letzte Form der Darstellung von Denken ist seine Überleitung in die Figur. Das Drama entsteht. (…) Gestalt und Wort propagieren allein überzeugend den Gedanken.“309

Figuren im Film – wie auch in Games – basieren häufig auf universell zu nennenden Figuren oder Archetypen. Diese universellen Figuren sind über Märchen, Mythen, Traditionen, Weltliteratur und popkulturellen Werken mit Kultstatus im kollektiven Gedächtnis verankert. C.G. Jung hat universelle Charaktere auf mythologische Motive zurückgeführt und diese Figuren wegen ihrer „urbildlichen Natur“ als Archetypen bezeichnet310. Sie begünstigen die Identifikation mit einer Figur oder auch nur das Verstehen eines Charakters. Archetypen sind als Repräsentanten universeller Themen zu verstehen. Diese entsprechen den Bildern, die im „kollektiven Unbewußten“ anzutreffen sind. Sie sind nicht an einen individuellen Menschen gebunden, sondern „überpersönlicher Natur“.311 Die Bezeichnung als Archetypus für kollektiv-unbewusste Inhalte geht zurück auf die philosophischen Schriften der Antike. In Märchen...

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