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Handbuch Angewandter Dramaturgie

Vom Geheimnis des filmischen Erzählens – Film, TV und Games

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Kerstin Stutterheim

Dramaturgie hat eine lange Tradition, auch im Bereich von Film- und Fernsehen. Kenntnisse der Dramaturgie ermöglichen es, einem Werk zu seiner bestmöglichen Entfaltung zu verhelfen, ohne diesem standardisierte Grenzen einer Formatvorlage aufzuerlegen. Ebenso kann Dramaturgie die Analyse von Werken unterstützen, um künstlerische Prozesse und die Qualitäten eines Werkes erkennen und verstehen zu können. In diesem Buch wird ein Überblick über dramaturgische Grundlagen gegeben. Es werden dramaturgische Traditionen und Modelle aus der Praxiserfahrung heraus und für diese anwendbar diskutiert. Es wendet sich an Medienschaffende und Medienwissenschaftler ebenso wie an Filminteressierte.
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Modern, poetisch und offen

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Im folgenden Abschnitt des Buches werden ausgewählte und in der Filmdramaturgie relevante Formen des Aufbruchs und der Erweiterung der klassischen geschlossenen Form dargestellt. Obwohl die tradierten Regeln variiert und erweitert werden, folgen die europäische und nordamerikanische Dramatik sowie der daraus hervorgehende Tradition der Filmerzählung369 im Grunde, in der Gestaltung der Basisstruktur, den bislang beschriebenen Kriterien.

Die so aufgebrochene geschlossene Form bietet in ihrer Gestaltung für den Film ebenso differenzierte Vorgehensweisen wie im Theater, in dem allerdings vom Publikum zumindest in Bezug auf Werke der geschlossenen Form eine komplexere Imaginations- und Interpretationsleistung gefordert wird. Die dramaturgischen Möglichkeiten in der post-aristotelischen geschlossenen Form reichen von der kausal-linearen über die analytische bis zu versetzten Strukturen und werden mit Peter Szondi als ›modernes Drama‹ gefasst370. Die Variation dessen, was aus der Tradition dramatisches Erzählen bestimmt, kann vielfältig sein und vollzieht sich prozesshaft. Unter anderem wird mit Rahmungen gearbeitet, die eine Binnenhandlung einschließen. Erweitert werden können die Erzählperspektiven durch die Nutzung von Retrospektiven und Introspektiven. Das Drama ist nicht mehr absolut. Es kann etwas Unsichtbares ebenso in die Handlung hineinwirken, wie Ereignisse, die vor oder neben dem Handlungsverlauf stattgefunden haben oder stattfinden, aber nicht mehr als Teil der Handlung sichtbar werden. Auslassungen sind so weit zulässig, wie eine aktive Rezeption diese in der Logik der Filmerzählung ergänzen kann. Die dramaturgische Struktur kann soweit aufgefächert werden, dass mehrschichtige, dabei aber miteinander verbundene Handlungsstränge selbst auf unterschiedlichen Zeitebenen...

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