Show Less
Restricted access

Handbuch Angewandter Dramaturgie

Vom Geheimnis des filmischen Erzählens – Film, TV und Games

Series:

Kerstin Stutterheim

Dramaturgie hat eine lange Tradition, auch im Bereich von Film- und Fernsehen. Kenntnisse der Dramaturgie ermöglichen es, einem Werk zu seiner bestmöglichen Entfaltung zu verhelfen, ohne diesem standardisierte Grenzen einer Formatvorlage aufzuerlegen. Ebenso kann Dramaturgie die Analyse von Werken unterstützen, um künstlerische Prozesse und die Qualitäten eines Werkes erkennen und verstehen zu können. In diesem Buch wird ein Überblick über dramaturgische Grundlagen gegeben. Es werden dramaturgische Traditionen und Modelle aus der Praxiserfahrung heraus und für diese anwendbar diskutiert. Es wendet sich an Medienschaffende und Medienwissenschaftler ebenso wie an Filminteressierte.
Show Summary Details
Restricted access

Die Poesie mäandernder Erzählungen – Der epische Film

Extract



Fällt der Begriff episch, so wird sofort Bertolt Brecht und seine Theorie des epischen Theaters assoziiert, oder die verkürzte und von einer antimodernen Haltung getragene Interpretation dessen: lang, langweilig, didaktisch.

Brecht hat in den 1920-er Jahren die Dramaturgie des epischen Theaters gleichermaßen genutzt, reflektiert und definiert. Episch kann ebenfalls als ein „Begriff in Bewegung“507 im dialektischen Sinne verstanden werden. In seiner künstlerischen Praxis setzte Brecht erzählende und demonstrierende Mittel zueinander in Beziehung. Für diese Kombination ließ sich Brecht wie zuvor schon Sergej Eisenstein vom Nō-Theater inspirieren. Diese Form der künstlerischen Gestaltung, die eine Wirklichkeitsillusion vermeidet, wird als episches Theater bezeichnet.

Exkurs: Brecht und die Kurven menschlicher Geschicke

Bertolt Brecht war kein Philosoph, sondern ein moderner Autor, ein Autor der Moderne. Seine Intention bestand darin, das Theater (stetig) zu erneuern, es politisch wirksam gestalten, wozu auch die Provokation gehörte. Brecht wollte die Realität zum Sprechen bringen und den „Kurven menschlicher Geschicke“ folgen508. Die epische Form leitet er von den „großen bürgerlich-zivilisatorischen Romanen“509 her. Beide stellten in ihrer Zeit progressive Innovationen dar, die noch in den zwanziger Jahren und darüber hinaus bis heute als solche anerkannt sind. Die Wahl dieser Form brachte den Dramatikern sofort den Vorwurf ein, sie seien ›verhüllte Romanciers‹ und somit die ihre Texte ›undramatisch‹, so wie heute häufig mit dem Begriff ›unfilmisch‹ argumentiert wird, wenn Filmemacher künstlerische Mittel für ihr Werk...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.