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Handbuch Angewandter Dramaturgie

Vom Geheimnis des filmischen Erzählens – Film, TV und Games

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Kerstin Stutterheim

Dramaturgie hat eine lange Tradition, auch im Bereich von Film- und Fernsehen. Kenntnisse der Dramaturgie ermöglichen es, einem Werk zu seiner bestmöglichen Entfaltung zu verhelfen, ohne diesem standardisierte Grenzen einer Formatvorlage aufzuerlegen. Ebenso kann Dramaturgie die Analyse von Werken unterstützen, um künstlerische Prozesse und die Qualitäten eines Werkes erkennen und verstehen zu können. In diesem Buch wird ein Überblick über dramaturgische Grundlagen gegeben. Es werden dramaturgische Traditionen und Modelle aus der Praxiserfahrung heraus und für diese anwendbar diskutiert. Es wendet sich an Medienschaffende und Medienwissenschaftler ebenso wie an Filminteressierte.
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Dramaturgie im Dokumentarfilm

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Aus der Tradition der Produktionsweise dieses Genres ergibt sich, dass dokumentarische Filme teilweise abweichenden dramaturgischen Prämissen folgen als linear-kausale fiktionale Filme. Grundsätzlich gelten dramaturgische Regeln, wie sie für den fiktionalen Film tradiert sind, auch im dokumentarischen Film.597 Dieses Kapitel bezieht sich ausschließlich auf den Dokumentarfilm, nicht auf journalistische Beiträge, Reportagen oder Feature. Diese Übereinstimmung in den Grundregeln der Filmdramaturgie ergibt sich dementsprechend aus den Spezifika des Mediums Films, dass in die Gestaltung eines filmischen Werks das Moment des gegenwärtigen Erlebens durch die Zuschauer_in als Augenzeug_in eines Geschehens hinein wirkt. Die im entsprechenden Kapitel ausgeführten Grundregeln der Dramaturgie gelten ohne Einschränkung auch für den dokumentarischen Film. Auch in diesem sollten alle genutzten filmischen Elemente und jedes einzelne Detail unersetzbar und unversetzbar sein, ohne dass die Wirkung sich verändert – um nur eine der Grundregeln der Filmdramaturgie hier zu wiederholen.

Es ist davon auszugehen, dass die dramaturgischen Modelle des Dokumentarfilm sich auf Grund der Spezifik des Genres und sich von denen des klassischen Spielfilms graduell unterscheiden.598 Dokumentarfilme werden überwiegend als Werke der ›offenen Form‹ gestaltet, zumindest dann, wenn sie für eine Kinoauswertung und in der Tradition des Genres gedreht wurden. Dies meint, dass sie weder ‚gescripted‘ noch auf der Basis eines Drehbuches mit Schauspielern realisiert wurden. Entsprechend der Tradition des Genres wirkt das dokumentarische Filmschaffen vielfältiger und weiter gefächert, weniger von tradierten Konventionen bestimmt, wenngleich auch Filmemacher_innen mehr und mehr gedrängt werden,...

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