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Literarische Topographien in Ostmitteleuropa bis 1945

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Elzbieta Nowikiewicz

Der Band versammelt Aufsätze, die sich unter verschiedenen Gesichtspunkten mit ostmitteleuropäischen literarischen Räumen, Orten und ihrer Topographie beschäftigen. Die AutorInnen diskutieren unterschiedliche Ansätze einer sichtbaren Welt, des Räumlich-Erfahrbaren mit topographischer Akzentuierung, wobei geographische Referenzräume besondere Berücksichtigung finden. Es handelt sich um Bezüge zu Räumen, Orten und Landschaften im Leben und Werk verschiedener SchriftstellerInnen. Die Sammelmonographie setzt sich darüber hinaus die literarische Wiederentdeckung Ostmitteleuropas zum Ziel. Ostmitteleuropa wird einer erneuten Lektüre unterzogen, wobei die Fragen, wie die einzelnen Autoren den Text des Raumes lesen und wie sie mit dem ostmitteleuropäischen Raum umgehen, eine zentrale Bedeutung erfahren. Es wird auch nach den Raumfunktionen in Texten gefragt. Die Perspektive des Raumes determiniert demzufolge die Herangehensweise und den Umgang mit literarischen Texten.
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Von den Antinomien zu den Perspektiven kultur-, sprach- und literaturtheoretischer Raumkonzepte

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Stephan Günzel (Berlin)

1. Antinomien

Raum als kulturtheoretischer Begriff zeichnet sich durch eine doppelte Ambivalenz oder Antinomie aus: Die erste Doppelheit oder Widersprüchlichkeit ergibt sich aus der Möglichkeit, den Raum als aktiv oder passiv zu betrachten, wobei letztes zumeist auf eine Reifikation, d. h. Verdinglichung, hinausläuft1 und erstes eine Aktivität betont. Auf diesen Umstand hat in rein sprachlicher Hinsicht bereits Fritz Mauthner hingewiesen, der in seinem Eintrag zu ‚Raum‘ von 1911 im Kritischen Wörterbuch der Philosophie diesen gar überhaupt nur als einen Effekt der Grammatik, nämlich der Substantive bezeichnet und die Vorstellung von Zeit dagegen als ein Resultat der Verwendung von Verben2. Die vermeintlich bloß semantische Differenz beschreibt jedoch nichts weniger als die ontologische Gegenüberstellung von Zeit als Lebendiges, das in der neuzeitlichen Philosophie – maßgeblich in der Behauptung zweier Anschauungsformen durch Immanuel Kant – meist ‚Innen‘ verortet wird und dem gegenüber den Raum als Totes und ‚Äußeres‘. Von daher erhellt, dass die Kulturtheorie des frühen 20. Jahrhunderts sowohl von der Überwindung der Differenz zwischen Raum und Zeit als Aufhebung in der relativitätstheoretischen Raumzeit beeinflusst war, also sie sich auch an einer Umkehrung der Wertigkeiten versuchte, indem sie – wie etwa Oswald Spengler3 – den Raum als etwas Aktives und weitergehend auch nicht mehr als Etwas, sondern selbst als Aktivität darstellte. In semantischer Hinsicht auf den Punkt bringt dies die Formel Martin Heideggers, wonach der „Raum räumt“4. – Dem ← 13 | 14 → entgegen steht...

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