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Literarische Topographien in Ostmitteleuropa bis 1945

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Edited By Elzbieta Nowikiewicz

Der Band versammelt Aufsätze, die sich unter verschiedenen Gesichtspunkten mit ostmitteleuropäischen literarischen Räumen, Orten und ihrer Topographie beschäftigen. Die AutorInnen diskutieren unterschiedliche Ansätze einer sichtbaren Welt, des Räumlich-Erfahrbaren mit topographischer Akzentuierung, wobei geographische Referenzräume besondere Berücksichtigung finden. Es handelt sich um Bezüge zu Räumen, Orten und Landschaften im Leben und Werk verschiedener SchriftstellerInnen. Die Sammelmonographie setzt sich darüber hinaus die literarische Wiederentdeckung Ostmitteleuropas zum Ziel. Ostmitteleuropa wird einer erneuten Lektüre unterzogen, wobei die Fragen, wie die einzelnen Autoren den Text des Raumes lesen und wie sie mit dem ostmitteleuropäischen Raum umgehen, eine zentrale Bedeutung erfahren. Es wird auch nach den Raumfunktionen in Texten gefragt. Die Perspektive des Raumes determiniert demzufolge die Herangehensweise und den Umgang mit literarischen Texten.
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„Der Handschuh stellt eine wüste Gegend vor“ – Prag als poetisch vermessener Innenraum in Franz Kafkas Tagebuchaufzeichnungen

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Beate Sommerfeld (Poznań)

Büros in Dachkammern, endlose Zimmerfluchten, die in einem vertrauten Raum plötzlich entdeckte Tür, in Mietshäusern tagende Gerichte – all das sind vertraute Elemente von Kafkas Erzähltexten. Die Verschachtelungen von Innen- und Au-ßenräumen in den Romanen und Erzählungen machen gewiss mit aus, was man sich das Kafkaeske zu nennen gewöhnt hat. So nimmt es nicht wunder, dass sich die Kafka–Forschung schon früh dem Problem des Raums zuwandte1 und in neueren Arbeiten versucht wird, die Raumtheorie für Kafkas Erzählprosa fruchtbar zu machen2. Im Folgenden soll anhand der Tagebuchaufzeichnungen der ‚Quart-hefte‘ und Reisetagebücher nachvollzogen werden, wie in Kafkas Texten Räume konstruiert werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass nicht nur jede Fiktion Handlungsorte und -räume aufbaut, wie Barbara Piatti konstatiert3 – gerade die Tagebuchaufzeichnungen besetzen „exakt die heikle Schnittstelle zwischen inner- und außerliterarischer Wirklichkeit4, mit der es die Literaturgeographie zu tun hat. Die Notizen bewegen sich in der „Grauzone“5, in der der Kontakt zwischen ← 47 | 48 → Fiktion und Realität zustande kommt, und scheinen dazu prädestiniert, über die Genese von Kafkas Raumphantasien Aufschluss zu geben.

Schreiben als Raumgewinnung – Prag versus Paris

Das in den Tagebuchaufzeichnungen Kafkas dokumentierte Raumempfinden zeichnet sich durch Instabilität aus. Insofern bestätigen die Notizen den Befund Joseph Vogls zur Relativität des Raums in Kafkas Erzähltexten: „Der Raum hat keinen festen Boden oder Grund und kennt die dauerhaften Einschreibungen eines...

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