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Literarische Topographien in Ostmitteleuropa bis 1945

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Elzbieta Nowikiewicz

Der Band versammelt Aufsätze, die sich unter verschiedenen Gesichtspunkten mit ostmitteleuropäischen literarischen Räumen, Orten und ihrer Topographie beschäftigen. Die AutorInnen diskutieren unterschiedliche Ansätze einer sichtbaren Welt, des Räumlich-Erfahrbaren mit topographischer Akzentuierung, wobei geographische Referenzräume besondere Berücksichtigung finden. Es handelt sich um Bezüge zu Räumen, Orten und Landschaften im Leben und Werk verschiedener SchriftstellerInnen. Die Sammelmonographie setzt sich darüber hinaus die literarische Wiederentdeckung Ostmitteleuropas zum Ziel. Ostmitteleuropa wird einer erneuten Lektüre unterzogen, wobei die Fragen, wie die einzelnen Autoren den Text des Raumes lesen und wie sie mit dem ostmitteleuropäischen Raum umgehen, eine zentrale Bedeutung erfahren. Es wird auch nach den Raumfunktionen in Texten gefragt. Die Perspektive des Raumes determiniert demzufolge die Herangehensweise und den Umgang mit literarischen Texten.
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Von literarischen Orten und Orten der Literatur. Einige Bemerkungen zu ausgewählten Lebensräumen von Hans Fallada

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Wolfgang Brylla (Zielona Góra)

1.

In seinen theoretischen und methodologischen Betrachtungen zum Wesen und Charakter der Postmoderne stellte Frederic Jameson fest, dass die Welt von heute "in einer Zeit der Synchronie und nicht der Diachronie” leben würde, was zur Folge habe, dass "unsere psychischen Erfahrungen und die Sprachen unserer Kultur […] eher von den Kategorien des Raums als von denen der Zeit beherrscht werden”1. Jameson spielte somit in die Karten dem Mitte der 1980er Jahre ausgerufenen, spatial turn’, der später vor allem in der Literaturwissenschaft die Form des, topographical turn’ annahm2. Der Raum war auf einen Schlag modisch genug, um zum Gegenstand der Diskussionen und sogar zum eigenständigen Diskurs zu wer-den. In den meisten Fällen rückte man weit ab vom obsoleten Raumbegriff, der den Raum als immobilen und passiven geschlossenen Container verstand. Stattdessen versuchte man ihn neu zu definieren und zu paradigmatisieren. Verändert hat sich die Wahrnehmung des Raums, der gegenwärtig als ein essentieller Bestandteil der Welt betrachtet wird und der durch sein Bewegungs- und Aktivitätspotential sowie durch seine Offenheit eben auf diese Welt einen enormen Einfluss ausüben kann. Der Raum ist nicht mehr nur da, der Raum spielt auch mit.

Ein ähnliches Raumdenken setzte sich auch in der Literaturforschung durch. Es geht nicht mehr nur darum, den literarischen Raum mit Blick auf seine Hintergrundfunktion in den Erzähltexten zu hinterfragen. In der Textkomplexität kommt den literarischen bzw. narrativen Räumen...

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