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«Seiner Leidenschaften Meister sein» - «In control of the passions»

Zur Reflexion des Gefühls im Musikdenken - Emotion as reflected in musical thinking

Joachim Noller

Was heißt es, wenn Carl Philipp Emanuel Bach vom ausführenden Musiker fordert, er müsse selbst gerührt sein, bevor er seine Zuhörer in Rührung versetzen könne? Der Autor schreibt über die Idee der Emotion, über ihre Rolle im Szenario sogenannter Musikanschauung (von ca. 1750 bis heute). Von Interesse ist dabei weniger die Gefühlshaltigkeit der Musik selbst, als vielmehr die Art, wie das Musikdenken dieselbe be- und verhandelt; nicht Emotionen in tatsächlicher Wirkung, sondern wie sie, als Denkfigur, in musikalischen Zusammenhängen theoretisch bewältigt werden.
What does it mean when Carl Philipp Emanuel Bach demands that a performing musician must himself be moved before he can move his listeners? The author writes about the idea of emotions and their role in the scenario of what is called music appreciation (from about 1750 till the present day). His focus is not primarily on the emotional content of music as such, but rather the way in which it is treated in thinking about music; not on the actual impact of emotions, but the way in which they have been thought about in a musical context, as concepts around which a theoretical discourse crystallizes.
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Vorwort

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Gedankt sei vor allem jenen Menschen, die mir Mut gemacht, die es verstanden haben, in mir Kräfte und Energien zu mobilisieren. Das konnten auch flüchtige Begegnungen sein, und deren Topographie entsprach nicht immer „klassischen“ Vorstellungen. Als Beispiel nenne ich die venezianische Wohnküche von Claudio und Mirella Toso Ambrosini, in der ich eine Fülle interessanter Menschen kennengelernt habe. An diesem und an anderen Orten wurde ich von einigen „berührt“, freilich haben nur wenige mein Leben geprägt. Da ist zunächst meine Familie, wie sie war und wie sie ist. Wie sie war: damit meine ich die Eltern Wilhelm und Emma Noller, denen mit solch dürftigen Worten ein Denkmal errichtet sei; vor allem meine Mutter hat mir geholfen, etwas in Angriff zu nehmen, was ich heute als experimentum vitae beschreiben würde. Dann meine Familie, wie sie ist: Marija Jankova, ohne die das vorliegende Buch gar nicht entstanden wäre, und Johannes, mit dem ich so fruchtbare Gespräche führe, wobei nicht nur seine physikalischen und kosmologischen Kenntnisse zur Geltung kommen, sondern auch die Fähigkeit, zwischen kultur- und naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu vermitteln. Und das führt mich in meinem geistigen Werdegang zurück in eine Zeit, als ich die Schriften Carl Friedrich von Weizsäckers verschlungen habe. Er hat mich gelehrt, dass Interdisziplinarität nicht die abendliche Grenzüberschreitung wissenschaftlichen Tagwerks, sondern eine Voraussetzung wesentlicher Erkenntnisse darstellt (der Begriff Interdisziplinarität stünde damit selbst zur Diskussion), dass philosophisches Denken die...

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