Show Less
Restricted access

Werdegang

Varianten der Aus- und Weiterbildung von Autor/innen

Series:

Marlen Schachinger

Werdegang geht der Frage nach, inwiefern sich die berufliche Etablierung von Literat/innen im Laufe der vergangenen einhundert Jahre verändert hat. Durch Schreibstudiengänge an verschiedenen Instituten im deutschsprachigen Raum wurde der autodidaktische Weg auch hierzulande in Frage gestellt. Ist er nach wie vor dennoch nicht nur denkbar, sondern realistisch und wie sah bzw. sieht er aus? Wie gestaltet sich die Lehre an verschiedenen Instituten, die Schreibstudien- oder Lehrgänge anbieten, und wie veränderte sie sich? Prägte die Etablierung von Schreibstudiengängen die literarische Szene im deutschsprachigen Raum mit oder sind andere Mechanismen – wie z.B. das Aufkommen des E-Books – relevantere Entwicklungen? Auf Basis zahlreicher Interviews und Fragebögen wurde versucht, in einem Feld, in dem es bislang keine vergleichende Analyse gab, Material zu generieren, um Fragestellungen in diesem Bereich der Literaturwissenschaft zu ermöglichen. Die Ausgangsthese, die Frage nach einer Analogie der Lernprozesse von Autodidakt/innen und Studierenden, konnte weitestgehend bestätigt werden. Hinsichtlich der Etablierung von Netzwerken sowie der Bekanntheit im literarischen Feld differieren jedoch Effizienz und Möglichkeiten.
Show Summary Details
Restricted access

2.1.8. Umgang mit Kritik

Extract



Anton Čechov schreibt an Suvorin am 04.05.1889:

„Alle Leute sprechen in einem Ton über Stücke, als sei es kinderleicht, sie zu schreiben. Sie haben also keine Ahnung davon, daß es schwer ist, ein gutes Stück zu schreiben, ein schlechtes zu schreiben dagegen doppelt so schwer und unheimlich. Ich wünschte mir, daß das ganze Publikum zu einem einzigen Menschen verschmölze und ein Stück schriebe, und daß Sie und ich dann in der Loge […] säßen und das Stück auspfiffen.“1084

Dieser Wunsch, sich für mangelhaftes Anerkennen des künstlerischen Prozesses, in dem auch dem Autor, der Autorin stets ein Riss zwischen der ursprünglich anvisierten Arbeit und dem alsdann fertiggestellten Produkt klafft, einmal zu rächen, indem man es den Rezipient/innen spiegle, ist wohl wenig überraschend. Rainer Maria Rilke rät in seinen »Briefen« dem jungen Dichter, dessen Einreichungen von Zeitschriften abgelehnt wurden, was ihn zu einem Vergleich mit den Arbeiten anderer bewog, zu folgender Haltung:

„Nun (da Sie mir gestattet haben, Ihnen zu raten) bitte ich Sie, das alles aufzugeben. Sie sehen nach außen, und das vor allem dürften Sie jetzt nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten ← 198 | 199 → Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben m...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.