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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Einleitung

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Janusz Golec/Irmela von der Lühe

Von ihrer Entdeckung über die Historisierung bis zur Musealisierung reicht das Spektrum, innerhalb dessen deutschsprachige und polnische literarische Texte sich im 20. Jahrhundert der Zeitgeschichte zugewendet haben. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist stets von gegenwärtigen Interessen, Intentionen und Irritationen bestimmt; dies gilt für die Geschichts- und die Politikwissenschaft wie für die Literatur und die kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit ihr. Die deutsch-polnische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist in besonderer Weise von Katastrophen und Vernichtungserfahrungen bestimmt, deren Behandlung in beiden Ländern und ihren Literaturen ganz eigenen diskursiven, erinnerungspolitischen Prozessen ausgesetzt ist. Vor allem nach 1989 und mit der sog. Wende sind in den nationalen Narrativen, also in der historiographischen und in der literarischen Reflexion der Vergangenheit, folgenreiche Umdeutungs- und Neudeutungsansätze zu beobachten, die nach gründlicher literatur- und kulturwissenschaftlicher Erforschung verlangen.

Im Zentrum der Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte stehen in Deutschland noch immer der Nationalsozialismus und der Holocaust, häufig inzwischen aber auch die Debatte um einen sog. neuen deutschen Opferdiskurs. Gemeint ist die mit den Büchern von W.G. Sebald und Jörg Friedrich1 sowie mit weiteren historiographischen Arbeiten2 verknüpfte Behauptung, es seien im Nachkriegsdeutschland in Literatur und öffentlicher Meinung die Erfahrungen der Vertreibung sowie des Bombenkriegs, das Elend der Flüchtlinge, der Kriegsgefangenen und der Kriegsheimkehrer nicht thematisiert, ja es seien diese Erfahrungen tabuisiert worden.

In Polen dagegen dominiert einerseits die Abrechnung mit der kommunistischen Vergangenheit, andererseits werden...

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