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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Edited By Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Der deutsche Angriff auf Polen 1939 und die Folgen des Zweiten Weltkriegs: Geschichte und Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland: Ingo Haar

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Ingo Haar

Am 30. Dezember 2008 trat die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Kraft, die ein „sichtbares Zeichen“ der Versöhnung zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn Polen und Tschechien setzen sollte. Dem ging jedoch ein langes Tauziehen mit wechselnden Akteuren, Vertretern der Vertriebenenverbände und von Politkern aus den demokratischen Parteien voraus, die sich in langwierige und unübersichtliche Konflikte mit wechselnden Fronten verstrickten. Nun könnte man meinen, es ginge in der Bundesrepublik im politischen Alltag immer so zu. Tatsächlich aber geschah hier etwas ganz und gar Unalltägliches: In einem geschichtspolitischen Konflikt, der in seiner Qualität in der Politik geradezu präzedenzlos ist, wurde unter dem Feldzeichen angeblichen Versöhnungswillens nicht nur eine gesicherte und allgemein akzeptierte historische Forschungslage verunklart, sondern darüber hinaus auch die Axt an die Wurzel des Geschichtsbildes gelegt, aus dem die deutsche Nachkriegsdemokratie wesentliche Teile ihrer Legitimation bezieht, das vor allem aber die Grundlage ihres europäischen und transatlantischen Erfolges abgibt: Die klare Verurteilung der Politik des NS-Staats, in diesem Kontext seiner Außenpolitik.

Ein wirklich „sichtbares Zeichen“ dagegen und weithin wahrgenommenes Symbol der gewandelten deutschen Einstellung zu Polen war der Kniefall Willy Brands am 7. November 1970. Einen Tag später wurde der Warschauer Vertrag geschlossen, mit dem die Bundesrepublik und Polen ihr Verhältnis auf eine neue Basis stellten. Die erste Initiative zur Versöhnung dazu kam jedoch aus Polen: Die polnischen Bischöfe hatten am 18. Dezember 1965 in einem Hirtenbrief ihre...

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