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Friedrich Theodor Vischer und Italien

Die erlebte Ästhetik eines Augenmenschen

Francesca Iannelli

Die Autorin rekonstruiert die leidenschaftliche Beziehung Friedrich Theodor Vischers (1807–1887) zu Italien im Kontext der Italienreisen seiner Vorgänger, Goethe und Winckelmann, und Nachfolger, Nietzsche und Freud. Die ästhetischen Schriften und die Briefwechsel, besonders mit Strauß und Benelli (zum ersten Mal untersucht und publiziert), geben Aufschluss über den Kunstsinn dieses unersättlichen Augenmenschen. Seine erlebte Ästhetik, die aus einer täglichen Kunstrezeption und zahlreichen Italienreisen erwuchs, war die verborgene Inspirationsquelle für die berühmte Einfühlungstheorie seines Sohnes Robert. Die Überzeugung, dass die Bilder ewige Macht besitzen und dass eine symbolische Kunstrezeption möglich ist, ist sein wichtigstes Erbe in der unruhigen Zeit des iconic turn.
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Vorwort

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„Ich philosophiere gern, bin aber kein Philosoph. Meine Gedanken gehen zu schnell.“

Friedrich Theodor Vischer, Auch Einer

Dieses Buch will kein weiterer Beitrag zur Überfülle der Reiseliteratur sein, sondern vielmehr einen Blick auf einen eklektischen Philosophen werfen, der nicht nur im Deutschland des 19. Jahrhunderts bedeutenden Einfluss hatte, sondern auch im 20. Jahrhundert anerkannten Philosophen und Gelehrten, von Aby Warburg bis Walter Benjamin, wichtige Impulse vermittelte1. Wie wenige andere hat Friedrich Theodor Vischer ein Jahrhundert erlebt, das entscheidend für die Geschichte der Philosophie, der Literatur und der Ästhetik war. Tatsächlich finden sich in seinem Leben in verdichteter Form die Widersprüche des deutschen 19. Jahrhunderts, das mit einem starken Bedürfnis nach Systematik begann und in Ungewissheit endete. Aus dem Jahr 1800 stammt das sogenannte Systemfragment von Hegel, in dem der aporetische Charakter der Religion erscheint2, während Freuds Traumdeutung schon im November 1899 fertig war, aber auf das Jahr 1900 vordatiert wurde, um der Veröffentlichung mehr Emphase zu verleihen. Mit der Erforschung des Traumlebens und der scheinbaren Ungereimtheiten, die sich in den Träumen verbergen, schließt Freud ein unruhiges Jahrhundert ab, um den Anstoß für eine – noch andauernde – Forschung zu geben, die unsere authentische Dimension erkunden will. Das Werk Vischers, der in der Mitte zwischen bahnbrechenden Figuren, den Säulen der klassischen deutschen Philosophie wie Schelling und Hegel auf der einen Seite und den Meistern des Verdachts, Nietzsche und Freud, auf der anderen Seite steht, wirft ← 13...

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