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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Literatur versus Ethik – Problemstellungen

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← 12 | 13 → Ethische Literaturkritik in den Zeiten der postmodernen Blasiertheit

Karolina Sidowska

Mit dem obigen Titel wage ich hiermit eine verkürzte Diagnose in Bezug auf die zeitgenössische Gesellschaft, um vor diesem Hintergrund weiterhin einige Facetten der gegenwärtigen Literaturwissenschaft unter die Lupe zu nehmen. Der Begriff „Blasiertheit“ stammt vom Soziologen Georg Simmel, der vor über hundert Jahren mit dieser Bezeichnung die Kondition des modernen Menschen auf den Punkt brachte.1 Nun scheint der Terminus nach einem Jahrhundert überaus aktuell, nur das dazugehörige Adjektiv muss mit dem „post“-Suffix geliftet werden, sonst entspricht der Sachverhalt Simmelschem Verständnis. Man könnte sogar behaupten, dass das Phänomen an sich, statt überwunden zu werden, sich in dieser Zeitperiode zugespitzt und potenziert hat. Das „Großstädter-Sein“ entwickelte sich von einer soziologischen Lebensform zum Gemütszustand, irgendwie sind wir alle zu Großstädtern in einem globalem Dorf geworden. In der multimedialen Wirklichkeit nimmt die alltägliche Überflutung von Impulsen verschiedenster Art enorm zu und die Überforderung unseres kognitiven Apparates ist trotz Gewöhnungs- und Anpassungsmechanismen nach wie vor eine Tatsache. Die psychologischen Folgen sind bekannt, wenn nicht aus eigener Erfahrung, dann aus zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Studien: Unfähigkeit zur längeren Konzentration, Zerstreutheit, Übergereiztheit bis zu scheinbar grundlosen Wutausbrüchen und gleichzeitig eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Vorkommnissen der äußeren Welt. Die Auflockerung der Normen und Grenzen, sowohl im sozialen Leben, als auch in der Wissenschaft – die Fayerabendsche Formel „anything goes...

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