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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Grenzfälle der ethischen Verantwortung des Autors

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← 294 | 295 → Schreiben über den Holocaust. Grenzen der Darstellung am Beispiel von zwei Romanen über das Lodzer Getto

Krystyna Radziszewska

Die Überlebenden der größten Tragödie des 20. Jahrhunderts, des Holocausts, sterben allmählich aus. Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die die Vernichtung gesehen und erlebt haben. Fast alle Archivbestände wurden von den Wissenschaftlern erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese kennt die Namen der NS-Täter und die Orte der Vernichtung. Für die Autoren, die den Holocaust thematisieren, stellt sich die Frage nach adäquaten Erzählstrategien. Diese Frage ist nicht neu. Der berühmte Satz des Philosophen Theodor W. Adorno, dass Gedichteschreiben nach Auschwitz barbarisch sei, löste heftige Diskussionen aus. Adorno wies darauf hin, dass die Autoren nach solchen Darstellungsformen suchen sollen, die den Kontakt des Lesers mit den Leiden der Opfer durch Ästhetisierung nicht neutralisieren.

Es stellt sich aber die Frage, wie die Beziehung zwischen Ethik und den Ausdrucksformen, also Ästhetik aussehen soll. Viele Forscher vertreten den Standpunkt, dass der Autor für sein Kunstwerk eine moralische Verantwortung trägt. Motive sowie literarische Bilder spiegeln den Standpunkt des Autors wider und beeinflussen die Denkweise der Leser sowie ihr Leben. Der amerikanische Philosoph Berel Lang unterstreicht die unzertrennliche Verbindung zwischen dem moralischen Inhalt und der literarischen Form. Dem Forscher zufolge übernehme der Autor sogar dann Verantwortung für sein Vorstellungsvermögen, wenn dieses in solche Richtung gerate, die der Autor nicht bewusst geplant hat. Das...

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