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Literatur, Utopie und Lebenskunst

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Edited By Elzbieta Kapral and Karolina Sidowska

Den Kern des vorliegenden Bandes bilden die Beiträge, die an der interdisziplinären Konferenz Literatur und Utopie (Łódź 2012) präsentiert wurden. Der Band beinhaltet vor allem jene Texte, deren Autoren sich mit dem breit verstandenen Thema der Utopie in der Literatur befassten. Schon den Titeln der Beiträge lässt sich entnehmen, dass das Thema der Utopie in der Literatur vielschichtig und auf keinen Fall nur auf eine (literarische) Epoche festzulegen ist. Die einzelnen Texte und die unterschiedlichsten Herangehensweisen der Autoren an die im Titel des Bandes angesprochene Problematik weisen auf dieses Facettenreichtum hin und liefern Inspiration zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
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Geschichte als utopisches Potential – Heiner Müllers Büchnerpreisrede Die Wunde Woyzeck

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Andreas Moser

Stellt sich Heiner Müller hinsichtlich seines schriftstellerischen Schaffens und seines ästhetischen Anspruches in der Literaturlandschaft beider deutschen Staaten als singulär dar, so vermittelt auch seine Dankesrede für die Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1985 diesen Ausnahmestatus. Anders als alle anderen Teilnehmer, die in ihren Reden ihre theoretischen Standpunkte nochmals betonten oder ihre Nähe zu Georg Büchners Werk herausstellten,1 verlas Müller einen Text namens Die Wunde Woyzeck, der in kühnen Assoziationssprüngen die Müllersche Forderung nach Utopien zum Ausdruck bringt.2

Ähnlich wie Brecht und Shakespeare bildete auch das Werk Büchners einen zentralen Bezugspunkt für Müller. Insbesondere die Woyzeckfigur war für ihn zentraler Angelpunkt für die Beschäftigung mit dem revolutionären Potential der unterdrückten Klasse, weswegen er im Kontext des Revolutionsdenkens und der Geschichtsauffassung Müllers kontinuierlich auftaucht, allerdings weniger in seinen literarischen Texten, sondern gezielt in theoretischen Reflexionen und Interviews. Da Müllers Utopieverständnis sich gegen Mitte der 70er Jahre von einem diskursiven Utopiebegriff zu einem am mythologischen Denken orientierten wandelt, fungiert Die Wunde Woyzeck nicht nur formal als eine Dankrede, ← 165 | 166 → sondern gleichzeitig als eine weitere Auseinandersetzung mit dem Begriff von „Utopie“ und „Revolution“.3

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