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Markus, der Evangelist und Jünger, den Jesus liebte

Walter Simonis

Das in der Theologie seit langem diskutierte Rätsel des johanneischen Lieblingsjüngers löst sich mit der Annahme auch pragmatisch denkender Exegese: Es war der Evangelist Markus. In johanneischen Gemeinden hatten einige das Wort Mk 9,1 auf den noch lebenden, bekannten Zweitevangelisten selbst bezogen. Die Vorstellung von einer Rückkehr des Auferweckten war aber unvereinbar mit der authentisch johanneischen Christologie und Eschatologie. Daher brachte, kurz nach dem Tode des Markus, der Johannes-Redaktor die Lieblingsjüngertexte in das Johannes-Evangelium ein. Mit ihnen schuf er das Bild eines Jüngers, der schon damals stets richtig geglaubt und Jesus richtig verstanden habe; der somit auch nicht jenen Irrtum gehegt haben könne, welcher sich an seine eigene Person geheftet hatte, er werde nicht vor dem Kommen des Herrn sterben. Neues Licht fällt auch auf das Problem der relativen Chronologie unserer Evangelien. Denn in den 80er Jahren hatte, wie aus mehreren Stellen des Lukas-Evangeliums ersichtlich ist, dessen Verfasser bereits den Text unseres Johannes-Evangeliums vor sich.
Aus dem Inhalt: Der Evangelist Markus: Der Evangelist und sein Evangelium – Die zwei autobiographischen Signaturen des Evangelisten – Matthäus und Lukas verstehen die autobiographischen Signaturen im Markus-Evangelium – Der Name des Zweitevangelisten – Der Jünger, den Jesus liebte: Der Johannes-Redaktor und seine Adressaten – Erste Vorstellung des Lieblingsjüngers – Der Jünger, der an Jesu Brust lag und den Jesus liebte – Der Schwertschläger und die Türöffnung des Lieblingsjüngers – Maria und der Lieblingsjünger unter dem Kreuz – Der Lieblingsjünger als Augenzeuge der Vollendung Christi am Kreuz – Der Wettlauf zum Grabe – Das Kapitel des Johannes-Redaktors.