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Körperbilder

Kulturalität und Wertetransfer

Series:

Michael Fischer and Kurt Seelmann

Körperbilder sind stets an den Begriff der Kulturalität gebunden. Er bezeichnet sowohl das menschliche Angewiesensein auf die kulturelle Sphäre als auch die Bedingtheit durch sie. Die Formen und Muster des subjektiven Erfahrens, Erlebens und Wahrnehmens unterliegen der Dynamik von geschichtlichem Wandel und lokaler Differenzierung. Die daraus resultierende Pluralität bestand immer schon, jedoch erst die Globalisierung verbindet das zuvor räumlich Getrennte in der einen, globalisierten Welt, in der neben den «äußeren Welten» immer mehr auch die «inneren Welten» aufeinandertreffen mit ihren je eigenen Wertesystemen, Glaubensüberzeugungen und Lebensformen. Das Projekt analysiert anhand von «Körperbildern» die hochkomplexen Kommunikations-, Interaktions- und Transformationsprozesse, die durch die beschleunigende Zunahme kultureller Begegnungen ausgelöst werden. Mit der Freiheitserfahrung eng zusammenhängende Phänomene (Verantwortung, Scham, Schuld- und Handlungsfähigkeit etc.) wie auch Erfahrungen der Unfreiheit (Schicksal, Zufall, Bestimmung, Konventionen, Gewalt etc.) bestimmen unser Leben (zumindest nach unseren Vorstellungen). Die durch die interkulturelle Arbeit und Erfahrung gewandelte Selbstwahrnehmung schärft die Wahrnehmung der kulturellen Bedingtheiten eigener und anderer Positionen.
Inhalt: Markus Hengstschläger: Ändert die Biomedizin das Bild des Menschen? Über Sinn und Unsinn genetischer Diagnosen auf multifaktorielle Anlagen des Menschen – Minas Dimitriou: Körperprojektionen im Mediensport: Zwischen Inszenierung und Ästhetisierung – Andrea M. Leiter/Magdalena Thöni/Hannes Winner: Der «Wert» des Menschen - eine Ökonomische Betrachtung – Silvia Augeneder: Die Reduktion des Menschen auf ökonomische Aspekte - der Körper als Ware am Beispiel des Transplantations- und Gewebemarktes? – Stefanie Günther: Inwieweit hat die Implementierung des Hirntodkriteriums zu einem Wandel des Körperbildes in der Medizin beigetragen? – Andreas Cesana: Zur Kulturalität von Sinnbedürfnis und Sinnerfahrung – Nico Elste: Der Feind in mir. Die Inszenierung von Kultur als verinnerlichter Zwang in Feridun Zaimoglus «Leyla» – Christina Persutti: Der Tod des Eros – Seung Chul Kim: Kū(sunyata) und Körper: Die Stimmung der Vergänglichkeit und «die Welt des Teufels» – Gregor Paul: Der nackte Körper - Facetten seiner Bewertung in sinojapanischen Kulturen – Arbogast Schmitt: Selbständigkeit in Abhängigkeit - über das Selbstverständnis des Menschen bei Homer und in der griechischen Tragödie – Jörn Müller: Scham(kultur) versus Schuld(kultur)? – Chongko Choi: Scham und Verantwortung in der konfuzianischen Ethik - Versuch eines Vergleichs – Gregor Paul: Gesichtswahrung und Gesichtsverlust - Selbstachtung, Selbstbestimmung, Scham, Schuld, Individualismus und Egoismus in traditioneller sinojapanischer Kultur - historische und systematische Aspekte – Heiner Roetz: Chinesische Schamkultur vs. westliche Schuldkultur? Ein Versuch zur Korrektur eines Klischees – Lorenz Schulz: Subjektive Rechte und die Ausdifferenzierung von Kompetenz - Anfänge moderner Rechtsstaatlichkeit im Mittelalter – Kurt Seelmann: Miseria und excellentia hominis – Jörg Rogge: Tote Ritter - tote Pferde - Bemerkungen zu Körpern im Kampf während des 14. Jahrhunderts – Stephan Kirste: Individuum, Person und Rechtsgemeinschaft im Renaissancehumanismus – Stephan Köhn: Der geliehene Körper oder warum Männer manchmal doch die besseren Frauen abgeben – Jens Loenhoff: Körperutopien im digitalen Zeitalter – Hoo Nam Seelmann: Körper, Mythen und Sexualität in der koreanischen Kultur – Helga Finter: Don Giovannis Körper – Gerhard Katschnig: Don Giovanni - Der Tod als Mythos – Violetta Waibel: Verirrungen und fromme Lügen um Sexualität und Liebe - Anmerkungen zur Transkulturalität des Körpermythos: «La Traviata» – Michael Fischer: Mythen - Was sonst?