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Weimar 1919-1933

Aufbruch und Niedergang einer Kulturepoche- Ihre Auswirkungen auf die Stadt Mannheim und die Metropolregion

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Hermann Jung

Das Phänomen «Weimar» zwischen den beiden Weltkriegen wird in der Kulturgeschichte gelegentlich als «ehernes» Zeitalter bezeichnet – nach dem «goldenen» der Weimarer Klassik Goethes und Schillers und dem «silbernen» mit dem Wirken Franz Liszts zwischen 1847 und 1861 am dortigen Hoftheater. Ohne Zweifel ist diese dritte Weimarer Epoche die facettenreichste und eine unter objektiv wissenschaftlichen Gesichtspunkten schwierig zu erfassende und zu deutende Zeitspanne. Im allgemeinen historischen Bewusstsein lebt sie immer noch von der Mythenbildung der sogenannten «Goldenen Zwanziger Jahre», des rasanten wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg bei gleichzeitiger politischer Instabilität und dem Taktieren unterschiedlicher politischer Kräfte. Der Band, hervorgegangen aus einem interdisziplinären internationalen Symposion an der Mannheimer Musikhochschule, will einige bisher weniger behandelte Felder der Epoche aufarbeiten und nach neuen Darstellungs- und Deutungsweisen suchen. Dazu zählen Fragen nach der Zentrenbildung des Weimarer Ideenguts in Deutschland, nach den Zusammenhängen von Stilwandlungen der Kunst und Generationenkonflikten, dem Einwirken politisch motivierter oder ideologisch infiltrierter Vorgaben auf Literatur, bildende Kunst und Musik, nach den Auswirkungen auf wirtschaftliche und kulturelle Interessenlagen auch aus der lokalgeschichtlichen Perspektive Mannheims und der hiesigen Metropolregion und nicht zuletzt nach dem europäischen Kontext und nach Parallelitäten in unserer Zeit. So entsteht ein buntes, bei allen Brüchen und Widersprüchen doch in sich stimmiges Bild jener Zeit, die mit der endgültigen Machtübernahme der Nationalsozialisten ihr Ende fand.
Inhalt: Rainer Metzger: Kunststadt - Hauptstadt - Weltstadt. Über die drei Metropolen der Weimarer Zeit: München, Wien, Berlin – Friedhelm Brusniak: Der Chor als «musikalische Form der menschlichen Gemeinschaft». Anmerkungen zu den Vorträgen des I. Kongresses für Chorgesangwesen in Essen 1928 – Katja Erdmann-Rajski: Sind die Bewegungen des Menschen Ausdruck seiner Lebenseinstellung? Ein Blick auf die Tanzformen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Auseinandersetzung mit den Wahrnehmungsweisen des Menschen – Christoph Popp: Nicht vom Ende her gesehen - die «Lebendige Stadt». Mannheim zwischen 1918 und 1933 – Frank Wittendorfer: Das Siemens‑Haus in Mannheim – Christmut Präger: «Zeitgemäße Formensprache» und «Praktischer Sinn». Albert Henselmann und die «Freie Akademie Mannheim» – Wilhelm Kreutz: Von Versailles nach Locarno: Die deutsch‑franzosischen Beziehungen in der ersten Hälfte der 1920er Jahre – Jarmila Gabrielová: Die Musik in der Tschechoslowakischen Republik zwischen 1918 und 1933 – Lech Kolago: Ausgewählte Aspekte der polnischen Literatur und Kultur zwischen den beiden Weltkriegen – Katarzyna Grzywka: Zur Geschichte der Universität Warschau in der Zwischenkriegszeit – Michael Kube: Musik und Mechanik. Technische Innovationen und ihr Einfluss auf das Komponieren und Interpretieren von Musik – Walter Scheuer: Leo Kestenberg und seine Vision einer Musikkultur für alle – Hartmut Krones: «Berlin Dada» mit Wiener Wurzeln in Musik und Literatur – Ute Jung-Kaiser: «Weimar totenglöckchen…» Zur Entstehung, Wirkung und Verfremdung einer KZ-Hymne – Oswald Panagl: Die deutsche Seele ein dunkles Reich? Zu Person und Schaffen Hans Pfitzners in der Zwischenkriegszeit – Jürgen Hunkemöller: Bartók in Frankfurt.