Show Less
Restricted access

In Nürnberg machten sie ein Gesetz

Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung – Kontinuitäten und Brüche- Politische Tagung aus Anlass der 75. Wiederkehr des Inkrafttretens der ‘Nürnberger Rassegesetze’, 1.-3. Oktober 2010, im Dokumentationszentrum Prora/Rügen

Series:

Lorenz Gösta Beutin, Wolfgang Beutin and Ernst Menachem Heilmann

Als Datum der Errichtung der NS-Diktatur in Deutschland gilt der 30. Januar 1933. Doch erfolgte sie nicht auf einen Schlag, sondern Zug um Zug. Die Regierung aus ‘Nationalsozialisten’ und ‘Deutschnationalen’ ließ nicht viel Zeit verstreichen, ihre Hauptziele in Angriff zu nehmen. Das waren neben der Etablierung ihrer Herrschaft und der Vorbereitung des wiederholten «Griffs nach der Weltmacht» im Zweiten Weltkrieg die Auslöschung des jüdischen Bevölkerungsanteils Europas. Mit der verbrecherischen Umsetzung des Antisemitismus wurde im April 1933 begonnen: Boykott jüdischer Geschäfte, von Ärzten und Rechtsanwälten, die Vertreibung jüdischer Beamter; im Mai die Tyrannei gegen jüdische Künstler, Bücherverbrennungen und andere Terrorakte. Um dem sich vollziehenden Unrecht und dem künftigen Genozid den Anschein der Legalität zu verleihen, wurden die sogenannten ‘Nürnberger Gesetze’ ausgearbeitet und im September 1935 in Kraft gesetzt. Anlässlich der 75. Wiederkehr dieses Vorgangs veranstalteten die Herausgeber vom 1.-3. Oktober 2010 im Dokumentationszentrum Prora auf Rügen eine Tagung mit Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Österreich und Polen. In verschiedenen Arbeitsabschnitten wurden historische und aktuelle Probleme diskutiert, verbunden mit dem Versuch, daraus Schlüsse für gegenwärtige politische Aktivitäten zu ziehen.
Inhalt: Wolfgang Beutin: Die seit 1933 erlassenen Gesetze als ‘Grundgesetze’ des NS-Staats, die Abwehrkampagne jüdischer Deutscher gegen die Kampfansage der deutschen Faschisten, der jüdische Widerstand – Axel Holz: Neofaschismus in Deutschland. Rede – Ernst Heilmann: Überlegungen und Erfahrungen sowie persönliche Schicksale und Lebensbilder einer verfolgten Familie – Lorenz Gösta Beutin: Die ‘Nürnberger Gesetze’ - Voraussetzung, Inhalte, Folgen – Christoph Kopke: Medizin, Eugenik, Holocaust (Medizin ohne Menschlichkeit) – Agnieszka Morawska: Soziale Menschenrechte, Menschenrechtsbildung und historisches Lernen – Gerd Biegel: Rassisch und politisch Verfolgte: Judenverfolgung in europäischer Dimension, auf polnischem Terrain; Sinti und Roma; politisch Verfolgte; Homosexuelle; ‘Asoziale’ – Harald Lützenkirchen: Verfolgte Künstler und Literaten: Einzelschicksale. Am Beispiel Kurt Hillers – Helene Klaar: Die Auswirkungen der Nürnberger Rassegesetze auf die Wiener Familien Schwarzmantel und Klaar – Johann Dvořák: Edgar Zilsel, das ‘Dritte Reich’ und die Wissenschaft. Zur frühen Kritik an der kulturellen Vorbereitung des Faschismus – Wolfgang Beutin: Hochschullehrerin und Künstlerinnen: Agathe Lasch (1879-1942), Lea Grundig (1906-1977), Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) – Claudia Wörmann-Adam: Anforderungen an eine humane und demokratische Politik in Europa - Parteien, non-governmental organisations (NGOs), Gewerkschaften – Bodo Zeuner/Jochen Gester/Michael Fichter/Joachim Kreis/Richard Stöss: Thesen – Lorenz Gösta Beutin: An Selma – Udo Horn: Tagungsimpressionen (Fotos).