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Die schuldangemessene Bewertung von Ehrenmorden im deutschen Strafrecht

Differenzierte Schuldmerkmale auf Tatbestandsebene bei sonstigen niedrigen Beweggründen

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Jonathan Burmeister

Das Motiv, durch eine Tötung die Familienehre zu verteidigen, ist das bestimmende Merkmal eines Ehrenmordes. Ist dieses Motiv ein niedriger Beweggrund im Sinne des § 211 StGB – die Tat mithin ein Mord? Der Ehrenmord ist eine besondere Herausforderung für die Reaktion des Rechtstaats. Auf der einen Seite stehen die fundamentalen Werte einer an der Menschenwürde und den Menschenrechten ausgerichteten Ordnung sowie das Bedürfnis, die Geltung dieser Werte und Normen zu verteidigen. Auf der anderen Seite steht der individuelle Anspruch auf eine gerechte, schuldangemessene Strafe – ein Anspruch, der gleichfalls Ausdruck der Menschenwürde ist. Dieses Buch bestimmt die strafrechtliche Schuld als den zentralen Gesichtspunkt zur Einordnung solcher Taten. Es zeigt, dass beide Seiten des aufgezeigten Spannungsfeldes Elemente strafrechtlicher Schuld sind, und entwickelt Ansätze, im Einzelfall zu einer schuldangemessenen Tatbewertung zu gelangen.
Inhalt: Fall Hatun Sürücü (Berlin) – Diskussion um Äußerungen von Winfried Hassemer (Bundesverfassungsrichter a. D.) – Überblick zum Phänomen Ehrenmord – Schwerpunkt Naher Osten – Bewertungswandel in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs – Streit in der Rechtswissenschaft zur Bewertung von Ehrenmorden – Schuld als maßgeblicher Gesichtspunkt der Tatbewertung – «Interne» und «externe» Komponente der Schuld – Neues Gesamtwürdigungsmodell als Lösungsansatz – Methoden zur Tatbewertung im Einzelfall anhand der zwei Schuldkomponenten.