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Die Theaterentwicklung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 1945 bis 1949

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Andrea Schiller

Mit der Vereinigung der deutschen Staaten ergibt sich für die DDR-Theatergeschichtsschreibung eine völlig neue Forschungssituation. Erstmals ist es möglich, auf dem Weg einer exakten historisch-materialistischen Untersuchung ein Bild der Anfänge der ostdeutschen Theaterentwicklung zu erarbeiten. Grundlage hierfür sind die zahlreichen, bis dahin nicht zugänglich gewesenen Quellenbestände in den ostdeutschen Archiven. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, inwieweit das Jahr 1945 - wie bis zuletzt von der DDR-Forschung behauptet - als eine Zäsur betrachtet werden kann, die den Beginn der Entwicklung einer eigenständigen «sozialistischen Nationalkultur» eingeläutet habe. Es wird aufgezeigt, daß es im Bereich des ostdeutschen Theaters 1945 nicht zur vielbeschworenen «Zeitenwende» gekommen ist. Ein radikaler Neubeginn hat hier ebensowenig stattgefunden wie die «Grundlagenbildung einer sozialistischen Nationalkultur». Mangelnde personelle, finanzielle und materielle Möglichkeiten der Theater, fehlende Autoren, Kritiker und Stücke, ein desinteressiertes Publikum, vor allem aber eine gänzlich verfehlte Kultur- und Theaterpolitik sind hierfür verantwortlich zu machen. Die Arbeit beschreibt die Summe dieser Defizite und diskutiert die daraus resultierenden Konsequenzen, die sich, weit über die Vorgeschichte der DDR hinaus, bis in das Jahr 1989 verfolgen lassen.
Aus dem Inhalt: Die offizielle Kultur- und Theaterpolitik der SBZ und ihre Wirkung auf die Bühnen - Finanzierung, Verwaltung und Personalpolitik an den ostdeutschen Theatern - Spielplangestaltung, Stück- und Rezensionsanalysen - Das zeitgenössische Zuschauerverhalten - Die Haltung der Bühnen- und Kulturschaffenden zum «neuen Theater» - Die Rolle der Kritik und der Massenorganisationen - Einzelanalysen von zwanzig ausgewählten Theatern - Statistische Übersichten zu einzelnen Themenschwerpunkten.