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Doppelgänger

Steinmonument, Spiegelschrift und Usurpation in der russischen Literatur

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Alexander Wöll

In der russischen Literatur ist das Motiv des Doppelgängers an drei Kernbereiche gebunden: Erstens, der «Samozvanec» (Usurpator) versucht, den legitimen Herrscher von seinem Platz zu verdrängen und selbst dessen Stelle einzunehmen. Zweitens, ein stilisiertes Selbstbild in weitgehend autobiographischen Texten führt zu einer imaginären Verdoppelung der eigenen Person in Form einer «Spiegelschrift». Drittens, Steinmonumente beleben sich, verleugnen ihre Zeichenhaftigkeit und verlassen - vermeintlich naturalisiert - das Zeichensystem. Diese Naturalisierung erschafft dem Double eine eigene Geschichte und läßt es aus dem Mythos heraustreten.
Die Studie entwickelt eine stilisierte Typologie aller in den ausgewählten Texten erkennbaren Doppelungen. Dabei geht es nicht um eine Motivsammlung, sondern um eine formale wie inhaltliche Interpretation des Textmaterials. Mit komparatistischen Verknüpfungen durch verschiedene Gattungen und literarische Epochen wird die komplexe Transformation des Motivs verfolgt. Die Textanalysen schlagen den Bogen von Puskin, Lermontov und Gogol' über Dostoevskij, Brjusov und Belyj bis hin zu Mandel'stam, Nabokov und Sokolov.
3us dem Inhalt: «Boris Godunovs» Gespenster bei Puskin - Das belebte Standbild als Doppelgänger in Puskins «Der Eherne Reiter» - Romantischer Authentizitätskampf in Lermontovs «Ein Held unserer Zeit» - Der Doppelgänger im Kontext von Ikone und Idol - Die Einsamkeit des beichtenden Schreibenden und die mediale Doppelung - Dostoevskijs «Der Doppelgänger» - Doppelgänger in der realistischen Literatur: Cechovs «Der schwarze Mönch» - Männliche Originalität: die Frau als Doppelgängerin des Mannes - Originalität und Doppelgängerei in Belyjs «Peterburg» - Dichterwort und zaristisches Steinmonument - Nabokovs «Verzweiflung»: Selbstbeichte eines gescheiterten Originals - Postmoderne Doppelgänger in Sokolovs «Palisandrija».