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Text und Zeit

Versuche zu einer Verhältnisbestimmung, ausgehend von Carl Einsteins Roman «Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders»

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Johannes Sabel

Wie stellt sich Zeit in literarischen Texten dar? Welche geschichtsphilosophischen, kulturgeschichtlichen und ästhetischen Modelle von Zeit und Geschichte wandern in die Literatur ein, bilden die Voraussetzung von narrativen Strukturen? Ausgehend von dem oft als unverständlich apostrophierten Roman Carl Einsteins Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders wird die vermeintliche Hermetik des Textes als literaturgeschichtliche Zäsur gelesen: als epistemologischer Riss, der ein anderes Denken von Zeit und Geschichte, ein verändertes Verständnis von Interpretation und hermeneutischem Subjekt verlangt. So tritt Bebuquin nicht nur in eine Beziehung zu seinem literarischen Umfeld, sondern wird zu einem Kommentar, der ein ‘zeit’-kritisches Licht wirft auf Phänomenologie (Ricoeur) und Werkbegriff (Adorno), Strukturmodell (Derrida) und Allegorie (Benjamin, de Man). Als kulturgeschichtlicher Bezug werden die Aporien des Zeit- und Subjektbegriffs deutlich, wie sie Idealismus und Historismus prägten.
Aus dem Inhalt: Motivische und narrative Differenzen zum zeitgenössischen literarischen Umfeld: Richard Beer-Hoffmanns Der Tod Georgs; Leopold Andrians Der Garten der Erkenntnis; Rainer Maria Rilkes Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge; Robert Müllers Tropen – Auseinandersetzung mit Subjekt- und Zeitbegriff des Idealismus, der Romantik und des Historismus – Auseinandersetzung mit Geschichts- und Zeittheorien: Augustinus, Dux – Literaturtheorie und Ästhetik: Ricoeur, Adorno, Benjamin, de Man, Bachtin, Lukács, Derrida, Stierle.