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Kanonisierung, Regelverstoß und Pluralität in der Kunst des 19. Jahrhunderts

Ekaterini Kepetzis, Stefanie Lieb and Stefan Grohé

Kunst und Architektur des «langen» 19. Jahrhunderts sind in vielfältiger Weise durch Grenzziehungen und -überschreitungen gekennzeichnet: So steht der normativen Verfestigung eines Gattungssystems zeitgleich dessen konzeptionelle Auflösung gegenüber. Ein Symposium des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln untersuchte im Herbst 2005, inwieweit diese scheinbar widersprüchlichen Befunde sich nicht vielmehr wechselseitig bedingen und ob den genannten Ordnungsschemata ihre eigene Auflösung zugleich inhärent sein muss. Für diesen Versuch einer Neubewertung künstlerischer, kunsthistorischer und kultureller Kategorien des 19. Jahrhunderts wurden internationale Wissenschaftler aus der Kunstgeschichte und angrenzenden Wissenschaften eingeladen, deren Beiträge in diesem Band versammelt sind. Neben bis jetzt wenig beachteten Themen aus dem Kunstbereich wird die Fotografie als neues künstlerisches Medium diskutiert und werden der Historisierung und Systematisierung von Kunstprozessen im Sinne des Historismus andere sich entwickelnde Parameter des Ökonomischen, Juristischen und Anthropologischen gegenübergestellt, die fast konträr zu den vorher festgelegten angeblichen Konstanten von Kunstästhetik und -genese wirksam wurden.
Aus dem Inhalt: Daniela Mondini: Initialwerk oder Auslaufmodell? Séroux d’Agincourts Histoire de l’Art und der kunsthistorische Kanon – Stefan Grohé: Grenzen der Kanonisierung - Maler-Bildhauer und ihre Stellung in der Historiographie der Skulptur – Gabriele Genge: Von der Statue zum ethnographischen Objekt - Aspekte zur französischen Skulptur im 19. Jahrhundert – Claudia Hattendorff: Karikatur pro Napoleon - Eigenes und Fremdes, High und Low – Ekaterini Kepetzis: Objekt, Materialität und Wahrheit - Kunstwerke auf den Bildern von Lawrence Alma-Tadema – Simone Schimpf: La vie de Notre Seigneur - James Tissots Bibelillustrationen zwischen mystischer Verklärung und historischer Aufklärung – Christian Drude: Der Landsknecht im japanischen Topf - Ironischer Historismus im graphischen Frühwerk Max Klingers – Lars Blunck: «The Most Abominable Things Ever Produced In Art» - Aufstieg und Niedergang der Visitenkartenfotografie – Joanna Lubos-Kozieł: «[...] zu den billigsten Preisen unter Garantie solider edler Ausführung» - Die Entwicklung des Marktes für kirchliche künstlerische Massenproduktion im 19. Jahrhundert – Grischka Petri: Rechtsnorm, wirtschaftlicher Wert der Kunst und ästhetische Normenpluralität: der Fall Whistler ./. Ruskin – Henrik Karge: Neorenaissance - die Kanonisierung eines neuen Stils in der deutschen Architektur des 19. Jahrhunderts – Ulrich Fürst: Die Abkehr von Historismus und Stilkunst im Zeichen von ‘Weltwirtschaft’ und ‘Weltpolitik’ – Stefanie Lieb: Vom Plüschsofa zur Liegekur - Wandlungen in der Raumauffassung um 1900.