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Literale Gefühle

Studien zur Emotionalität in erzählender Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts

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Miriam Riekenberg

Das Revival der Gefühle zieht derzeit Natur- wie Geisteswissenschaft in seinen Bann. Die Mediävistik hat dabei einen großen Stellenwert, zumal mittelalterliche Texte Aufschluss über ein emotionales Bewusstsein in ihrer Entstehungsphase geben. Mittels der historisch-semantischen Analyse von insgesamt sieben Erzählungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert sollen Antworten auf Fragen gefunden werden, wie: Wie wird in einer vorwiegend mündlich ausgerichteten Kultur das Verhältnis von verbalen und non-verbalen Ausdrucksformen von Emotionalität ausgebildet? Wie steuern Emotionen in der Literatur soziale Interaktionen? Welche Formen der Selbstreflexion und der Wahrnehmung, welche Konzepte von psychischen Prozessen enthalten literarische Darstellungen? Auf zunächst synchroner, dann auf diachroner Ebene wird sich zeigen, dass die Vorstellungen von Emotionalität zunehmend tiefgründiger und umfassender werden und sich dies in den Texten niederschlägt. Spätestens in der Literatur des 13. Jahrhunderts treffen wir auf lebendige, substanzielle und nahezu subjektive Figurenzeichnungen und somit bereits auf erste Charakteristika des modernen Romans.
Aus dem Inhalt: In die interdisziplinäre Emotionsforschung einzuordnende Studien – Historisch-semantische Analyse von insgesamt sieben Erzählungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert – Systematische Vorgehensweise nach den Grundemotionen Zorn, Freude, Leid, Angst – Synchroner und diachroner Vergleich der Literatur – Erkennen einer deutlichen Trennung von Gefühls- und Affektschilderungen – Konstatierung einer zunehmend substanziellen und individuelleren Figurenzeichnung, zum Beispiel durch Hervorheben von psychischen Prozessen.