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Die Magie der Annäherung und das Geheimnis der Distanz

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Uta Schorlemmer

Krystian Lupa (*1943), dem diese Arbeit gewidmet ist, ist ein Theaterregisseur, der in Polen spätestens seit Beginn der 1990er Jahre den Status eines "Meisters" genießt. Er steht in dem Ruf, das polnische Theater nachhaltig zu prägen. Diese Monographie stellt die Theaterarbeit des polnischen Regisseurs Krystian Lupa erstmals in umfassender Form dem deutschsprachigen Publikum vor. Ausgehend von Lupas Biographie, einem Überblick über sein bisheriges Schaffen und seine narrative Dramaturgie über einzelne Inszenierungsanalysen bis hin zur Detailanalyse des Inszenierungszyklus nach Brochs "Die Schlafwandler" wird Lupas künstlerisches Manifest, im Theater "neue Mythen" erforschen zu wollen, diskutiert. Die Darstellung von Lupas Theaterkonzept wird im Kontext einer Mythologie zwischen Martyrologie und Messianismus betrachtet, die das polnische kulturelle Paradigma lange Jahre geprägt hat, heute jedoch im Umbruch begriffen ist. Lupas Theater funktioniert als "metaphysisches Erlebnis". Es sucht und untersucht gleichwohl menschliche Erkenntnis, weshalb es "erkenntnispsychologisches Theater" genannt wird. Als "Unterbrechung des Politischen" wartet es mit einem Sinnentwurf auf, der auf die Probe gestellt und bewußt unverändert bleibt. Lupa integriert radikale Selbsterkenntnis in eine fragmentarische Totalität, die so menschlich bleibt, daß der Mensch in ihr nicht erniedrigt wird, sondern sich erhebt.