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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

von Eva Neuland (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 440 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort zur 2. Auflage
  • Sprache und Generation Eine soziolinguistische Perspektive auf Sprachgebrauch: Eva Neuland
  • 1. Sprache und (Lebens)Alter
  • 1.1 Kindersprache
  • Sprachentwicklung
  • Eltern-Kind-Kommunikation
  • 1.2 Jugendsprache
  • Jugendsprache und Erwachsenensprache
  • Kommunikation in Jugendgruppen
  • Doing Youth
  • 1.3 Alterssprache
  • Sprachgebrauch im Alter
  • Kommunikation mit Älteren
  • Alterskonstruktionen
  • 2. Sprachgebrauch und Lebenslauf
  • 2.1 Sprachliche Sozialisation
  • 2.2 Sprachbiographie
  • 3. Sprache und Generation
  • 3.1 Dimensionen des Generationsbegriffs
  • Gesellschaft
  • Familie
  • Generationsbeziehungen
  • 3.2 Soziolinguistische Arbeitsfelder
  • 3.2.1 Der gesellschaftliche Generationsbegriff in Sprachgeschichte und Sprachwandel
  • 3.2.2 Der familiale Generationsbegriff in Sprachentwicklung und Sprachsozialisation
  • 3.2.3 Der relationale Generationsbegriff in der intergenerationellen Kommunikation
  • 3.2.4 Generationen als soziale Stereotype in Diskursanalyse und Sprachkritik
  • Literatur
  • I. Soziologische und psychologische Aspekte von Alter, Lebenslauf, Generation
  • Generation und Wissenstraditionen in den Bildungswissenschaften: Rita Braches-Chyrek
  • 1. Generation und Wissenstraditionen in den Bildungswissenschaften
  • 1.1 Begriffsgeschichte
  • 1.2 Disziplingeschichtliche Markierungen
  • 2. Generation als relationales Konzept
  • 3. Das Konzept der Generation in der empirischen Bildungsforschung
  • 4. Asymmetrische oder diachronische Generationenbeziehungen?
  • 5. Generationale Ordnung
  • Literatur
  • Absolute, relationale und historische Generationenbegriffe in der Sprachwissenschaft: Perspektiven ihrer Verwendung: Annette Gerstenberg
  • 1. Einleitung
  • 1.1 Drei Bedeutungen von Generation in der Sprachwissenschaft
  • 1.2 Fragestellungen
  • 2. Absolute Verwendung: Generation ‚Altersgruppe‘
  • 3. Die relationale Chronologie der Migrations(familien)generationen
  • 4. Historisch-soziologische Generationsbegriffe
  • 5. Perspektiven sprachwissenschaftlicher Generationsstudien
  • 5.1 Gesellschaftliche Wahrnehmung und Konturierung von Generationen
  • 5.2 Sozialisationskontexte
  • 5.3 Einstellungen
  • 6. Ausblick
  • Literatur
  • Die Generation der Selbst-Orientierten und ihre vielfältigen Grenzen: Doris Bühler-Niederberger / Alexandra König
  • 1. Jugend als soziologische Kategorie – verwoben mit anderen Kategorien
  • 2. Theoretische Perspektive und Datenmaterial unserer Argumentation
  • 3. Selbst-Projekt als generationale Erfahrung der Gemeinsamkeit und Differenz
  • 4. Felder und ihre Grenzen
  • a) Das Handwerk: generationales Unterstellungsverhältnis mit stark persönlicher Prägung.
  • b) Das Feld der Universität: universalistisch codiertes Generationenverhältnis
  • c) Das Feld der Kunst: Einmaligkeit als Enklave jenseits generationaler Grenzen
  • d) Das Feld des HipHops: strategisch begrenzter Affront
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Psycholinguistische Erkenntnisse zur Sprache im Alter: Bettina Lindorfer
  • 1. Sprache im Alter
  • 1.1. Sprache
  • 1.2. Alter
  • 2. Die psycholinguistische Perspektive
  • 3. Sprachverarbeitung im Alter
  • 4. Kognition
  • 4.1. Kognition im höheren Lebensalter
  • 4.1.1. Arbeitsgedächtnis
  • 4.1.2. Inhibition
  • 4.1.3. (Neurobiologische) Plastizität
  • 5. Ausblick und Kritik: Sprachverarbeitung im höheren Lebensalter
  • Literatur
  • II. Kommunikation zwischen den Generationen
  • Das Beziehungsgefüge zwischen den Generationen und sein Einfluss auf die intergenerationelle Kommunikation: Reinhard Fiehler
  • 1. Das Beziehungsgefüge zwischen den Generationen
  • 2. Bestandsaufnahme der Kommunikation zwischen den Generationen
  • 3. Besonderheiten der Kommunikation im Alter: Kommunikationsinhalte, Kommunikationsstile und Kommunikationsnormen
  • 4. Probleme der Kommunikation zwischen den Generationen
  • 4.1 Kategoriale Behandlung, kommunikatives Präjudiz und patronisierendes Sprechen
  • 4.2 Sensorisch-motorische, psychische und kognitive Beeinträchtigungen im Alter
  • 5. Möglichkeiten der Erleichterung und Verbesserung der Kommunikation zwischen den Generationen
  • Literatur
  • Familiale Kommunikation als Spracherwerbsressource: Das Beispiel argumentativer Kompetenzen: Uta Quasthoff / Antje Krah
  • 1. Einführung
  • 2. Familiale Muster als Erwerbskontext
  • 3. Daten
  • 4. Muster familialer Argumentation
  • 4.1 Fordern und Unterstützen
  • 4.2. Übernehmen
  • 5. Varianz interaktiver Muster zwischen den Generationen und Kompetenz des Kindes
  • Literatur
  • Liebeserklärungen zwischen Ernsthaftigkeit und Fiktionalisierung. Inszenierung von Leidenschaft in schriftlichen Liebesbotschaften von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: Eva Lia Wyss
  • 1. Liebesbriefe und -zettelchen von Kindern
  • Kindlich universelle Emotionalität
  • 2. Steigende Komplexität der Liebeskommunikation in der Adoleszenz
  • Schreiben schafft Kontinuität
  • 3. Übergänge zwischen jugendlichem und erwachsenen Gefühlsausdruck
  • Prägnante Geräusche: Liebes-Sprachmusik
  • 4. Kristallisationen der Kindlichkeit bei Erwachsenen
  • Kosenamen – Verkleinerungsformen
  • Inszenierung von Kindlichkeit
  • 5. Fiktionalisierung, ‚verkehrte Welt‘ und Sprachlosigkeit der Liebe
  • Literatur
  • ‚Zwei-Welten-Texte‘ Verständigung zwischen den Generationen im Deutschunterricht: Hanne Steffin-Özlük
  • 1. Einleitung
  • 2. Intergenerationelle Kommunikation als Thema im Deutschunterricht
  • 3. ‚Zwei-Welten-Texte‘ in Lehrwerken für den Deutschunterricht
  • 3.1 Das Problem der Künstlichkeit in konstruierten Beispieltexten
  • 3.2 Analysen ausgewählter neuerer Lehrwerke
  • 4. Ausblick
  • Literatur
  • III. Generationen in der Sprachgeschichte
  • Wortkampf der Generationen Zum Dialog zwischen Vater und Sohn im ‚Hildebrandslied’: Meinolf Schumacher
  • 1. Generation Studies und Mediävistik
  • 2. Wortkampf ‚zwischen zwei Heeren‘
  • 3. ‚Ageismus’ im Frühmittelalter?
  • 4. Junge Helden – alte Helden
  • 5. Der Preis der Jugendlichkeitsideologie
  • Literatur
  • 1945 – Der Schulddiskurs als Generationenphänomen: Heidrun Kämper
  • 1. Einführung
  • 2. Gegenstand
  • 3. Generation als „Erfahrungsgemeinschaft“ (Karl Mannheim)
  • 4. Perspektiven des Generationendiskurses: Zeitreflexionen und Schuldbewertungen
  • 5. Fazit
  • Primärliteratur
  • Sekundärliteratur
  • Der Sprachgebrauch der ‚1968er‘: Antirituale und Informalisierung: Joachim Scharloth
  • 1. Gibt es eine ‚68er-Generation‘?
  • 2. Antirituale und Rituale des Protests: Verbale Interaktion in der 68er-Bewegung
  • 3. Kommunikationsstile in der 68er-Bewegung und danach
  • 4. Informalisierung
  • 5. Fazit
  • Literatur
  • Der politische Umbruch von 1989 aus dem Blickwinkel verschiedener Generationen in Sprachbiografien: Ulla Fix / Sophia Schleichardt
  • 1. Einleitung
  • 2. Kulturschock ‚Wende‘ und Sprachgebrauch
  • 3. Diskursthema und Diskursbeteiligte
  • 4. Das Sprachbiografien-Projekt
  • 5. Zwei Phasen des Sprachbiografien-Projekts
  • 6. Zur ersten Phase: 1994-1996
  • 7. Zur zweiten Phase: 2008-2009
  • 8. Resümee
  • Literatur
  • IV. Generation und Sprachwandel
  • Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in der deutschen Sprache: Dieter Cherubim
  • 1. Das Konzept der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
  • 2. Ungleichzeitigkeit und Zeitmarkierung in den Sprachen
  • 3. Historische Tiefe in der deutschen Sprache
  • 4. Entstehung und Weitergabe historischen Sprachwissens
  • 5. Zur Wiederbelebung und Nutzung älteren Sprachguts
  • 6. Sammlungen von Archaismen und Wörterbücher
  • Literatur
  • Jugendsprache und Sprachwandel: Sprachkreativität, Varietätengenese, Varietätentransition und Generationenidentität: Klaus Zimmermann
  • 1. Theoretische Vorbemerkung
  • 2. Sprachwandel innerhalb der Jugendsprache
  • 2.1 Charakter und normabweichende Funktion der jugendsprachlichen Innovation
  • 2.2 Sprachkreativität als Keimzelle des Sprachwandels
  • 2.3 Genesesituation
  • 3. Diffusion
  • 4. Dimensionen der Verbreitung
  • 4.1 Varietätenbegrenzung und Generationenidentität
  • 4.2 Gebrauchsdauer und Binnenvarietätenwandel
  • 4.3 Transgression der Varietätengrenzen
  • 4.4 Der Übergang von der Jugendsprache zur Erwachsenensprache: Von der Normdurchbrechung zur Normakzeptanz
  • 5. Varietätengenese und Wandel im Diasystem
  • Literatur
  • Junge als Anders-Sprecher? Zur Teilhabe junger Sprecher an lokalen Spracheigentümlichkeiten: Helen Christen
  • 1. Jugendsprache und Sprachwandel
  • 2. Anlage der empirischen Untersuchung
  • 3. Fragestellung und Auswahl der Variablen
  • 4. Die Realisierung der Variablen
  • 4.1 Gleich- und Anders-Sprechen bei lautlichen Variablen
  • 4.2 Gleich-Sprechen bei einer morphosyntaktischen Variable
  • 4.3 Gleich- und Anders-Sprechen bei lexikalischen Variablen
  • 5. Diskussion der Ergebnisse
  • Literatur
  • Anhang
  • Mediennutzung heutiger Jugendlicher – Generation Facebook?: Sarah Brommer / Christa Dürscheid
  • 1. Soziale Netzwerke
  • 2. Aktuelle Daten zur Mediennutzung
  • 2.1 Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland
  • 2.2 Mediennutzung Jugendlicher in der Schweiz
  • 2.3 Generation Facebook?
  • 3. Schreiben auf der Kommunikationsplattform Facebook
  • 3.1 Eins-zu-Viele-Kommunikation auf Facebook
  • 3.2 Eins-zu-Eins-Kommunikation auf Facebook
  • 4. Facebook – eine Bühne der Selbstdarstellung?
  • 4.1 Selbstdarstellung auf Facebook
  • 4.2 Facebook als Mittel zur Kontaktpflege und Alltagsorganisation
  • 5. Soziale Netzwerke und Sprachwandel
  • Literatur
  • Sprachliche ‚Mudes‘ – Wie sich unsere sprachlichen Repertoires über die Lebenszyklen hinweg verändern: Joan Pujolar
  • 1. Zweisprachigkeit entlang des Lebenszyklus
  • 2. Die ‚Neuen Sprecher‘ des Katalanischen
  • 3. Sprachliche ‚Mudes‘
  • 4. Sprachliche Wendepunkte
  • 4.1 Die Grundschulmuda
  • 4.2 Die Sekundarschulmuda
  • 4.3 Die Universitätsmuda
  • 4.4 Die Arbeitsplatzmuda
  • 4.5 Mudes bei der neuen Familie
  • 5. Schlussfolgerungen
  • Literatur
  • V. Sprachliche und mediale Konstruktionen von Lebensalter
  • Generationenbilder in den Medien – Konstruktionen, Inszenierungen und Sprachbilder: Caja Thimm
  • 1. Mediale Altersbilder in der Forschung
  • 2. Mediale Altersbilder – vom negativen zum (über)positiven Stereotyp?
  • 3. Wertewandel des Alters - Neue sprachliche und visuelle Inszenierungen
  • 4. Ausdifferenzierung von Altersbildern
  • Literatur
  • Alt und Jung: Vom Wandel der Generationsbilder in der Werbung: Eva Neuland
  • 1. Zur Einführung: Alter, Sprache und Werbung
  • 1.1 Altersbilder und Generationsstereotypen in der Werbung: Werbesoziologische Perspektiven
  • 1.2 Sprachgebrauch und Lebensalter in der Werbung: Linguistische Perspektiven
  • 2. Entdeckung der Jüngeren in der Werbung
  • 2.1 Jugendgenerationen in der Werbung: Zwischen Konsum und Protest
  • 2.2 Jugendsprache und ihre medialen Konstruktionen
  • 2.3 Verwendungen und Wirkungen jugendsprachlicher Elemente
  • 3. Die Entdeckung der Älteren in der Werbung
  • 3.1 Von den ‚unsichtbaren‘ zu den ‚defizitären Alten‘: Beschönigung von Alter als Problem und Verlust
  • 3.2 Die Entdeckung der ‚jungen Alten‘: Inszenierung von Alter als Erlebnis und Gewinn
  • 3.3 Zur Bedeutung von Alterssprachen
  • 4. Generationsverhältnisse im Wandel?
  • Literatur
  • Noch nicht in die Jahre gekommen… Altersdiskriminierung als Gegenstand der Sprachkritik: Petra Balsliemke
  • 1. Einleitung
  • 1.1 Altern aus multidisziplinärer Sicht
  • 1.2 Die Ageism-Forschung
  • 2. Ausgewählte Aspekte der Sprachkritik
  • 2.1 Die linguistische Sprachkritik
  • 2.2 Political Correctness (PC)
  • 3. Das Lexem alt im deutschen Wortschatz
  • 3.1 Phraseologismen mit der Konstituente alt
  • 3.2 Alter in der Parömiologie des Deutschen
  • 3.3 Die Antithese alt versus jung in deutschen Sprichwörtern
  • 4. Ausdrücke für die ältere Generation im aktuellen Sprachgebrauch
  • 4.1 Bezeichnungen für ältere Menschen in Szene-Wörterbüchern zur Jugendsprache
  • 4.2 Auswertung der Einträge von Online-Wörterbüchern zur Jugendsprache
  • 5. Sprachsensibilisierung des öffentlichen Sprachbewusstseins
  • Literatur
  • Das Altersbild in den Programmen politischer Parteien: Karl Heinz Ramers
  • 1. Zielsetzung
  • 2. Textsorte ‚Parteiprogramme‘
  • 2.1 Zielgruppen
  • 2.2 Textsortencharakteristik
  • 2.3 Ziele der Programme
  • 3. Korpora
  • 4. Textanalyse
  • 4.1 Themenfelder
  • 4.2 Das Wortfeld „alt“
  • 4.3 Die Themenfelder demografischer Wandel und Alter und Pflege
  • 4.3.1 Demografischer Wandel
  • 4.3.2 Alter und Pflege
  • 4.4 Fazit
  • 5. Ausblick
  • Literatur
  • Internetnachweise
  • Entdramatisierung der Generationenkonflikte. Zwischen Gleichheit und Depression in All-Age-und Adoleszenzromanen: Carsten Gansel
  • 1. Von der Macht der Zeichen oder: Die feinen Unterschiede
  • 2. Zu Aspekten der literarischen Inszenierung von Generationsbeziehungen im Adoleszenzroman – aktuelle Trends zwischen Realismus und Phantastik
  • 3. Generationenbeziehungen literarisch – ein Blick zurück ins frühe 20. Jahrhundert
  • 4. Postmoderne Generationenbeziehungen – asymmetrische Kommunikation umgekehrt?
  • 5. „Der Rest im mir egal“ – postmoderne Verhandlungsfamilien und ihre Folgen
  • Literatur
  • Autorinnen und Autoren

Vorwort zur 2. Auflage

Mit diesem Sammelband zum Sprachgebrauch der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor, haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst, wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter, gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen, welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.

Teilbereiche aus diesem Kontext, wie vor allem die Sprachentwicklung in Kindheit und im Jugendalter, weisen schon längere Forschungsgeschichten auf. Der Sprachgebrauch im Alter und vor allem die Kommunikation zwischen den Generationen bilden jedoch immer noch Desiderate der Sprachforschung, ebenso wie die lebensgeschichtliche Veränderung von Sprachstilen im Laufe individueller Sprachbiographien und der gesellschaftlich-historische Sprachwandel durch Generationen, die die Sprachgeschichte geprägt haben. Der relationale Aspekt der Kommunikation zwischen Generationen bietet ein Forschungsfeld für die linguistische Pragmatik und Kommunikationsforschung; der ideologische Aspekt der sprachlichen Konstruktion von Generationsbildern für die Sprachkritik und Diskursanalyse.

Die 2012 erschienene Erstauflage des Sammelbands Sprache der Generationen als Band 12 der Reihe Thema Deutsch der Gesellschaft für deutsche Sprache im Dudenverlag, Bibliographisches Institut Mannheim, war binnen kurzer Zeit bereits ausverkauft. Nach einvernehmlichen Rücksprachen mit dem Verlag und der Gesellschaft für deutsche Sprache, denen großer Dank für ihr Einverständnis gebührt, kann nun eine erweiterte und aktualisierte Zweitauflage dieses Bandes in der Reihe Sprache – Kommunikation – Kultur: Soziolinguistische Beiträge im Verlag Peter Lang vorgelegt werden.

Alle Beiträge wurden durchgesehen und wenn nötig aktualisiert. Die Ergänzungen gegenüber der Erstauflage betreffen drei wichtige Themenbereiche, und zwar Veränderungen der sprachlichen Repertoires über die Lebenszyklen hinweg (Juan Pujolar), Vater-Sohn-Konflikte anhand eines literaturgeschichtlichen Beispiels (Meinolf Schumacher) und aktueller Wandel von Generationsbildern in der Werbung (Eva Neuland). Das Spektrum der Beiträge aus Sprach- und Kommunikationsforschung, Sprachgeschichte und Sprachkritik, Psycholingui ← 9 | 10 → stik und Soziolinguistik sowie Medienlinguistik, Dialektologie und Mehrsprachigkeitsforschung veranschaulicht die Fruchtbarkeit des Gegenstandsfelds für die Sprachforschung im interdisziplinären Kontext.

Das Thema Sprache der Generationen wird die soziolinguistische Sprachforschung mit Sicherheit auch in Zukunft noch beschäftigen.

Florian Wiebel und Julia Weiland sei für die Hilfe bei der Manuskripterstellung herzlich gedankt.

Eva Neuland

Wuppertal, Oktober 2014 ← 10 | 11 →

Sprache und Generation

Eine soziolinguistische Perspektive auf Sprachgebrauch

Eva Neuland

Öffentliche Debatten und Stellungnahmen zu grundlegenden gesellschaftlichen Differenzen und oftmals Widersprüchen wie Arm und Reich, Alt und Jung1, zum Wandel von Generationen und Generationsverhältnissen sind ein brisantes Dauerthema in den Medien. Laufend werden neue Generationsbilder generiert: von ‚Generation Golf‘ zu ‚Generation Gold‘, von ‚Generation Praktikum, Revolte, Stütze…‘ bis zur ‚Generation der vielen Möglichkeiten‘.2 Die Rede ist von Generationskonflikten, -spaltungen und -kämpfen; stilisiert und kritisiert werden Phänomene wie Jugendwahn, Seniorenlawinen, Krieg der Alten und Krieg den Alten. Der Generationsbegriff erscheint als Seismograph für Gesellschafts- wie Mentalitätsanalysen.

Es ist bemerkenswert, dass der Generationsbegriff zwar „multidisziplinäre Perspektiven“3 aufweist und in den Bildungs-, Sozial- und Kulturwissenschaften eine bedeutende Rolle spielt, nicht aber in der Sprachwissenschaft, in deren Handbüchern und Grundlagenwerken er keinerlei Beachtung findet4. Selbst im dreibändigen internationalen Handbuch: Soziolinguistik (Ammon et al. 2005) findet man ihn weder unter den soziologischen Begriffen noch unter den Ergebnissen der soziolinguistischen Forschung, unter denen Cheshires Beitrag zu Alter und generationsspezifischem Sprachgebrauch eingeordnet wurden.

Sind Generationen etwa nicht durch besondere sprachliche Ausdrucksweisen gekennzeichnet, werden generationelle Konflikte oder auch Harmonien etwa nicht sprachlich ausgetragen, beeinflussen sich Generationen nicht in ihrem Sprachgebrauch – ob adaptiv oder konfrontativ? Verändern wir selbst nicht unseren Sprachstil im Lebenslauf – je nach generationeller Zugehörigkeit? Und haben bestimmte Generationen nicht entscheidende Auswirkungen auf Sprachgeschichte und Sprachwandel ausgeübt?

Welche Antworten hält die Sprachwissenschaft auf solche essentiellen gesellschaftlichen Fragen bereit? Wie behandelt sie diese Themenstellungen kate ← 11 | 12 → gorial und konzeptionell? Zur Beantwortung dieser Fragen wollen wir zunächst einen Blick auf Arbeitsfelder der Alterslinguistik und auf die Gegenstandsfelder Kindersprache, Jugendsprache und Alterssprache werfen. Sodann soll der Blick über das Lebensalter hinaus auf Sprachgebrauch im Lebenslauf gerichtet werden, um anschließend den Zusammenhang von Sprache und Generation allgemein zu erörtern und die Multidimensionalität des Generationsbegriffs und einige darauf bezogene soziolinguistische Arbeitsfelder zu skizzieren.

1.Sprache und (Lebens)Alter

Ein Teil der eben angesprochenen Fragestellungen wird von der Alterslinguistik bearbeitet, die sich mit dem Sprachstand und Sprachgebrauch in verschiedenen Lebensaltern beschäftigt. Der Chronologie folgend unterscheiden wir zwischen Forschungen zur Kindersprache, Jugendsprache und neuerdings auch der Sprache im Alter.

1.1Kindersprache

Als Gegenstandsfeld der Kindersprachforschung lässt sich die Spanne vom Kleinkindalter zum Vorschulalter bestimmen. Der Terminus Kindersprache oder auch Altersmundart war indes eher in der älteren deutschen Sprachforschung geläufig, wie sie vor allem im berühmten gleichnamigen Werk von Clara und William Stern (1920) präsentiert wurde. Die hinter diesen Forschungen stehenden Annahmen einer Abfolge von Sprachstadien, für die auch Altersnormen formuliert wurden, erfuhr eine kurze Wiederbelebung in der Altersstilforschung der 70er Jahre (v.a. Pregel 1970), die die verschiedenen Altersstile des Grundschulkindes als graduelle Annäherungen an die Erwachsenensprache verstand. In der aktuellen Sprachentwicklungsforschung ist der Terminus Kindersprache kaum mehr präsent, nicht zuletzt auch deshalb, weil er wegen der Homogenitätsannahme die interindividuelle Variation zu wenig berücksichtigen kann.

Sprachentwicklung

In der Spracherwerbs- und auch noch in der Sprachentwicklungsforschung spielen biologische Reifungsprozesse eine wesentliche Rolle. In den Konzepten, die von einem anlagebedingten, universellen Spracherwerbsmechanismus LAD (language acquisition devise) ausgehen und die sich auf den Erwerb des grammatischen Regelsystems konzentrieren, wird der Einfluss der sozialen Umweltfaktoren als äußerst gering betrachtet. Für die vorliegenden Fragestellungen soll ← 12 | 13 → dies hier nicht weiter verfolgt werden. Diejenigen Konzepte, die das soziale Lernen stärker fokussieren, decken sich z. T. mit dem folgenden Gegenstandsfeld.

Eltern-Kind-Kommunikation

Vor dem Hintergrund der schon bei den Sterns thematisierten Anlage-Umwelt-Kontroverse lässt sich die Erforschung der Eltern-Kind-Kommunikation als ein pragmalinguistisches Gegenstandsfeld abgrenzen, in dem insbesondere die den Spracherwerb und die Sprachentwicklung unterstützenden Interaktionen des Kindes mit seiner Umwelt genauer untersucht werden, und zwar auch unabhängig vom Geschlecht der Bezugspersonen. Das Konzept Spracherwerb in der Interaktion des amerikanischen Entwicklungspsychologen Jerome Bruner und seiner Schüler verbindet Ansätze der Sprachentwicklungs- und der Interaktionsforschung, indem ein quasi universeller Spracherwerbsunterstützungsmechanismus LASS (language acquisition support system) hypostasiert wird. Der mütterliche Interaktionsstil (motherese) hilft dem Kind, sich „Von der [vorsprachlichen] Kommunikation zur Sprache“ (so Bruner 1979) weiterzuentwickeln. Damit wird die bisherige linguistische Betrachtungsweise: von der Sprache bzw. dem ersten Wort zur Kommunikation praktisch umgekehrt. In diesem Konzept ist zweifelsohne eine generationelle Differenzierung enthalten, wenn auch nicht explizit ausgesprochen.

1.2Jugendsprache

Dies ändert sich ganz wesentlich durch die seit den 80er Jahren wirkende linguistische Jugendsprachforschung.

Jugendsprache und Erwachsenensprache

Denn die Frage, ob die Jugend eine eigene, andere Sprache spricht5, muss den Vergleich zur ‚Erwachsenensprache‘ und ggf. auch zur ‚Kindersprache‘ implizieren. Das Motiv der intergenerationellen Abgrenzung gegenüber Älteren wie Jüngeren und der sozialen Distinktion und intragenerationellen Identifikation wurde als ein Hauptmerkmal der Jugendsprache erkannt.6 Dem Gegenstandsfeld der Jugendsprache kommt mithin eine entscheidende Auslösefunktion für den ← 13 | 14 → Einbezug des Generationsbegriffs in die linguistische Sprachforschung zu. Dies konkretisiert sich z.B. in der immer wieder aufgeworfenen Fragestellung, ob der besondere Sprachgebrauch von Jugendlichen die Verständigung zwischen den Generationen beeinträchtige und eine Ursache für Missverständnisse, Konflikte und Provokationen bilde. Relativ rasch ist die linguistische Jugendsprachforschung zur Einsicht gelangt, dass die hinter dem Terminus ‚Jugendsprache‘ stehende Homogenitätsannahme eines einheitlichen Sprachgebrauchs aller Jugendlichen der Heterogenitätsannahme einer inneren wie äußeren Mehrsprachigkeit bzw. Mehrstimmigkeit vieler verschiedener Jugendgruppen weichen muss.

Kommunikation in Jugendgruppen

Jugendsprachen entstehen schließlich nicht als Produkte individueller Sprachleistungen, sondern entwickeln sich durch die intragenerationelle Kommunikation in Jugendgruppen7, oft innerhalb von Prozessen kollektiver Stilbasteleien. Sie stellen insofern auch keine ‚eigenen‘ Sprachen dar; vielmehr machen Jugendliche in besonderer Weise alterspräferenziell von möglichen und üblichen Stilmitteln ihrer Herkunftssprachen, oft unter Einbezug von Entlehnungen aus anderen Sprachen, Gebrauch. Jugendsprachen bilden nach der Überzeugung der Mehrheit der Forscher keine stabilen Varietäten der Standardsprachen; sie bilden ein Ensemble subkultureller Sprachstile, die zugleich als soziale Symbole von Gruppenzugehörigkeit fungieren. Dennoch bleibt trotz der Heterogenität der verschiedenen Jugendlichen (Peer-) Gruppen die Zugehörigkeit oder auch die (Selbst-)Zurechnung zur Generation der Jugend als gemeinsames Merkmal.

Doing Youth

Der Jugendsprachforschung kommt aber noch eine weitere Weichenstellung für den Einbezug des Generationsaspekts in die linguistische Forschung zu: Und zwar der Aspekt der Konstruktion von Generationsstereotypen. Mit ‚Doing Youth‘8 ist die mediale Konstruktion und Stilisierung von Jugendsprache gemeint, die mit dem authentischen Sprachgebrauch von Jugendlichen oft wenig gemein hat9. Jugend und Jugendsprachen bieten Projektionsflächen für Werturteile, die stets auch und vielleicht sogar eher Aussagen über die Konstrukteure solcher Meinungen als über die Jugendlichen selbst macht. ← 14 | 15 →

1.3Alterssprache

Als ein relativ junges Arbeitsfeld hat sich die Erforschung des Sprachgebrauchs im höheren Lebensalter um die Jahrtausendwende entwickelt (v.a. Fiehler/Thimm 1998). Erst in diesem Zusammenhang ist auch von einer Alterslinguistik die Rede.

Sprachgebrauch im Alter

Nachdem der Sprachgebrauch im Alter eher unter physiologischen Aspekten als ein Abbau von Sprachkompetenz beschrieben wurde, hat die Alterslinguistik in Anlehnung an die angloamerikanische Forschung ebenfalls das Stilkonzept für die Beschreibung des Sprachgebrauchs im höheren Lebensalter aufgegriffen.10 Darunter wird eine Reihe differentieller Merkmale des Sprachgebrauchs subsummiert, wie z.B. Gebrauch für veralteter Lexik, Dominanz einer Vergangenheitsperspektive, Themensprünge, Wortfindungsschwierigkeiten. Allerdings wird auch hier eine gewisse individuelle Varianz zu berücksichtigen sein, die eine Skepsis vor einer Homogenitätsannahme nahe legt.

Kommunikation mit Älteren

Mit dem Forschungsbereich der Kommunikation mit lebensälteren Gesprächspartnern ist wiederum ein Aspekt der intergenerationellen Kommunikation angesprochen. Studien im amerikanischen wie im deutschen Sprachraum11 belegen ein bestimmtes Sprachregister mit typischen Merkmalen „patronisierender“ Kommunikation (Ryan/Kwong See 1998), die den Erwartungen hinsichtlich der kommunikativen Fähigkeiten älterer Menschen entspricht, z.B. eingeschränkte Themenwahl, Schwerpunkt auf der Vergangenheit, einfache Satzkonstruktionen, lexikalische Verkleinerungsformen etc. Auch ein solches Sprachregister unterliegt mithin bestimmten Altersbildern.

Alterskonstruktionen

Alterskonstruktionen bilden eine weitere Gruppe von Generationsstereotypen, die vornehmlich von Medien geprägt in der Alltagswelt wirksam sind. Linguistische Studien konnten zeigen, dass solche Konstruktionen oftmals mittels Spra ← 15 | 16 → che, und zwar im Gespräch interaktiv vorgenommen werden.12 Kritik an der diskriminierenden Wirkung von solchen Altersbildern, wie sie in der Alterskommunikation, aber auch in Wortschatz und Redewendungen impliziert sind, wurde unter dem Stichwort des Ageismus – in Analogie zu Sexismus und Rassismus – laut (v.a. Kramer 1998). Wie der kurze Überblick zeigte, wird in Teilbereichen der Alterslinguistik der Generationsaspekt zwar implizit und manchmal auch explizit angesprochen, doch wird kein Zusammenhang zwischen dem Sprachgebrauch in einzelnen Lebensaltern hergestellt, obwohl ganzheitliche und vergleichende Betrachtungen naheliegen, z.B. im Hinblick auf die Kommunikation zwischen Generationen.

2.Sprachgebrauch und Lebenslauf

Ein solcher Zusammenhang wird jedoch durch die Kategorie des Lebenslaufs gestiftet, die die Stadien einzelner abstrakter Lebensalter von Kindheit, Jugend und Alter im Kontext individueller und kollektiver Lebensgeschichte vernetzt und dynamisiert und eine prozessuale Betrachtungsweise des Alterns ermöglicht. Bereits der Ausdruck ‚Lebensalter‘ verweist im Unterschied zum biologischen Altersbegriff auf die individuelle und soziale Bedeutung von Altersphasen im Verlauf der Lebensgeschichte. Das Setzen von Zäsuren in Passagen der Lebensgeschichte ist ein höchst bedeutsamer Akt sozialer Konstruktion, der sich in individuellen sowie kollektiven Lebensläufen und ihrer sprachlichen (Re-) Produktion niederschlägt. Dabei hinterlässt jede Zäsur zumeist auch Spuren im Sprachgebrauch, wie sich umgekehrt bewusste wie unbewusste Veränderungen im Sprachstil auch als Veränderungen von Selbstdeutungen und Positionierungen im Lebenslauf deuten lassen.

Die Erforschung von Veränderungen des Sprachgebrauchs im Lebenslauf ist jedoch für die Sprachwissenschaft ein nahezu noch unbearbeitetes Feld13, für das wichtige Impulse aus der soziologischen Lebenslaufforschung gewonnen werden können.14 Die Betrachtung des Zusammenhangs von Sprachgebrauch und Lebenslauf eröffnet dabei zwei wesentliche Perspektiven: ← 16 | 17 →

2.1Sprachliche Sozialisation

Der Begriff der sprachlichen Sozialisation korrespondiert mit dem der Sprachentwicklung, wobei beim ersteren weit umfassender Interaktionen mit der sozialen Umwelt und mit gesellschaftlichen Sozialisationsagenturen in den verschiedenen Sozialisationsphasen des Lebenslaufs stehen, darunter Familie, Kindergarten, Schule, Peergroups etc. Sprachliche Sozialisation vollzieht sich dabei häufig in Form von Rollenübernahmen, die in der Dialektik von Vergesellschaftung und Individualisierung zur Ausbildung der sozialen Identität beitragen. Sozialisation ist dabei in zweierlei Hinsicht für die Sprachwissenschaft von Bedeutung: Einerseits als Sozialisation von Sprache als Objekt, wofür in der Sprachentwicklungsforschung verschiedene Ansätze vom sog. egozentrischen bis zum kommunikativen Sprechen unterschieden werden; andererseits als Sozialisation durch Sprache als Mittel sozialisatorischer Interaktion15, z.B. in Form implizit wie explizit didaktischen Sprechens.

So unterscheidet sich im Jugendalter die sprachliche Sozialisation in der Familie, in der es hauptsächlich um Übernahme oder auch Abwehr von Generationsrollen und ihre sprachlichen Repräsentationen geht, grundlegend von der schulischen Sprachsozialisation und ihrer Einübung in die soziale Identität und entsprechende sprachliche Handlungsformen der Schülerrolle, und beide unterscheiden sich wiederum grundlegend von der sprachlichen Sozialisation in jugendlichen Peergroups, in denen v.a. der Erwerb und die Ausgestaltung von Gruppen- und auch Geschlechterrollen verhandelt werden. Ergebnisse solch sprachlicher Sozialisationsprozesse können sich in unterschiedlichen Sprachstilen des familialen, schulischen wie gruppentypischen Sprachgebrauchs zeigen. 16

2.2Sprachbiographie

Das Gegenstandsfeld sprachbiographischer Forschung ist mit dem vorgenannten der Sprachlichen Sozialisation eng verbunden, jedoch folgt die Betrachtungsweise der individuellen Entwicklung der Altersphasen im Lebenslauf. Ein verwandter, in der angelsächsischen Forschung geprägter Begriff des Age Grading17 (Altersschichtung) bezieht sich allerdings auf altersabhängiges Verhalten und somit auch auf alterstypischen Sprachgebrauch in verschiedenen Generatio ← 17 | 18 → nen18 und Lebensphasen, die in der Form von apparent time- und nicht real time-Studien erschlossen werden. In diesem Sinne veranschaulicht Wyss in diesem Band den Wandel der Textsorte Liebesbrief von der Kindheit über das Jugend- bis zum Erwachsenenalter.

Die sprachbiographische Forschung legt den Fokus hingegen auf die lebensgeschichtliche Sprachentwicklung des Individuums und ist somit deutlich zur Individuallinguistik zu rechnen19, die in der Sprachwissenschaft bislang kaum beachtet wurde.20 Die Erarbeitung lebensgeschichtlicher Sprachveränderungen kann dann auch, so Häcki Buhofer (2003), über die reduktionistische „Tafelberg“-Annahme vom frühen Aufbau in Kindheit und Jugend und späten Abbau im höheren Alter und eines möglichen Stillstands in der Zwischenzeit des Erwachsenenseins hinausgehen.

Individuallinguistische Zugänge zu Sprachentwicklung können sich gleichwohl mit soziolinguistischen und sprachhistorischen Zugängen verbinden, wenn gesellschaftlich-historische Einflussfaktoren berücksichtigt werden, so z. B. die Wende von 1989 (Fix/Barth 2000) oder die Rückkehr und Integration von Aussiedlern (Meng 2001).21

Auswirkungen im Hinblick auf Sprachwandel bis hin zu eventuellem Sprachverlust zeigen sich paradigmatisch im Gegenstandsfeld im Sprachgebrauch von Migrantengenerationen. Mittlerweile wächst im deutschsprachigem Raum bereits eine dritte und vierte Generation ehemaliger Arbeitsmigranten heran, die im unterscheid zur Großelterngeneration der sog. ‚Gastarbeiter‘ und zum Teil noch der Elterngeneration weitgehend deutschsprachig sozialisiert und vor allem alphabetisiert wurden und ihre Herkunftssprachen nicht immer mehr beherrschen. Zur Zeit wird im deutschsprachigen Raum eine neue Generation gut ausgebildeter junger Migranten aus den von finanziellen Krisen betroffenen südeuropäischen Ländern mit hoher Arbeitslosenquote beobachtet. ← 18 | 19 →

3.Sprache und Generation

Zwar kann auch die prozessuale Betrachtung des Lebenslaufs als eine Abfolge von Generationen erfolgen, doch scheint der Generationsbegriff für die Soziolinguistik noch weitergehende Erkenntnismöglichkeiten zu eröffnen und damit präzisere Antworten auf die einleitend genannten Fragen zu ermöglichen, als es die bislang aufgeführten alters- und individuallinguistischen Forschungsansätze vermochten.

3.1Dimensionen des Generationsbegriffs

Die in der Sozialwissenschaft unterschiedenen Dimensionen des Generationsbegriffs machen deutlich, dass wir uns mit dieser Bezugskategorie immer weiter von einer entwicklungspsychologischen und -biologischen Perspektive, die mit den bislang betrachteten Kategorien von Alter und Lebensalter und eingeschränkt auch noch mit der Kategorie des Lebenslaufs verbunden sind, wegbewegen. Mit dem Generationsbegriff wird hingegen eine Beschreibungs- und Analysekategorie für soziokulturelle und soziopolitische Dimensionen gewonnen; die linguistische Betrachtungsweise wandelt sich von der Alters- und Individuallinguistik zur Soziolinguistik und ihrem Gegenstandsfeld Sprache und Gesellschaft.

Auch der Generationsbegriff kann zwar biologisch im Sinne einer Altersklasse oder Geburtskohorte verstanden werden; zugleich kann er aber auch seit Mannheims wegweisender Klärung (1928) historisch im Sinne einer Zeitgenossenschaft und meta-historisch im Sinne einer Generationslagerung und einer Erfahrungsgemeinschaft in gesellschaftlichen-historischen Kontexten verwendet werden.22 Gemeinhin wird in der Soziologie das Konzept der Generation mit Bezug auf Gesellschaft oder mit Bezug auf Familie definiert23, zwei Bezugsgrößen, die gewöhnlich getrennt behandelt werden.

„Auf beiden Ebenen ist das Generationskonzept ein Schlüssel zur Analyse der Bewegung durch die Zeit. In der Abfolge der Generationen schaffen Familien und Gesellschaften Kontinuität und Veränderungen im Hinblick auf Eltern und Kinder, ökonomische Ressourcen, politische Macht und kulturelle Hegemonie. In allen diesen Feldern sind Generationen eine Grundeinheit sowohl von sozialer Reproduktion wie von sozialem Wandel – also von Stabilität und Erneuerung (oder Umsturz)“ (Kohli 2009, 233). ← 19 | 20 →

Im Folgenden sei ein kurzer Blick auf die soziologischen Dimensionen geworfen:

Gesellschaft

Der gesellschaftliche Generationsbegriff umfasst makroanalytisch Personen, die in einem begrenzten Zeitraum geboren wurden und deshalb bestimmte historische Ereignisse in ähnlichem Lebensalter erfahren haben. Kohli/Szydlik (2000, 7) schlagen vor, drei Arten von gesellschaftlichen Generationen zu unterscheiden, und zwar politische, kulturelle und ökonomische Generationen. Wie Bude (2000) am Beispiel der 68er zeigt, stiftet der verbindende Generationszusammenhang und seine sprachliche Klassifikation soziale Identität als lebenszeitliche Erfahrungs- und Erinnerungsgemeinschaft und ein Wir-Gefühl, das zugleich biographisch relevant ist.

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Abb. 1:Die 69er-Generation

Familie

Der familiale Generationsbegriff bezeichnet mikroanalytisch im ursprünglichen Wortsinne der Erzeugung die Generationsfolge der Abstammungslinie. Die intergenerationellen Beziehungen im familialen Generationsverbund können weiter nach funktionalen, affektiven und assoziativen Dimensionen unterschieden werden (Kohli/Szydlik 2000, 11). Fend (2009, 101) hebt aus erziehungswissenschaftlicher Sicht funktional die intergenerationelle Transmission von Werthaltungen und Weltorientierungen hervor, bei der der kommunikative Austausch zwischen Eltern und Kindern als entscheidende Moderatorvariable wirkt. ← 20 | 21 →

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Abb. 2:Die familiale Generation

Generationsbeziehungen

Gesellschaftliche und familiale Generationsbegriff stehen in enger Verbindung; Generationsbeziehungen lassen sich als dritte Dimension des Generationsbegriffs unterscheiden.24 Die 68er-Generation liefert viele Beispiele für die Verbindung von politischen und kulturellen gesellschaftlichen Dimensionen, die im Kontext der familialen Generationsdimension zu manifesten Generationskonflikten geführt haben. Verbindungen zwischen den kulturellen und ökonomischen gesellschaftlichen Dimensionen und der familialen können hingegen zur heute zu beobachtenden Entdifferenzierung von familialen Generationsunterschieden25 beigetragen haben.

Alle drei soziologischen Dimensionen können gerade durch die Multidimensionalität und den interdisziplinären Spannungsreichtum wesentliche soziolinguistische Erkenntnismöglichkeiten und Erfahrungsfelder erschließen, und zwar unter kontextuellen, funktionalen, interaktiven sowie ideologischen Aspekten:

der Bezug auf die gesellschaftliche Dimension des Generationsbegriffs wird die je spezifischen gesellschaftlich-historischen Kontexte erklären helfen, innerhalb derer sich bestimmte Sprachgebräuche historischer Generationen herausbilden und wandeln können;

der Bezug auf die familiale Dimension macht die funktionalen Leistungen erkennbar, die der familiale Generationsverbund für die kulturelle Reproduktion, für die Tradierung von Erziehung und Bildung, und zwar insbesondere durch Spracherziehung und sprachliche Sozialisation erbringt; ← 21 | 22 →

der Einbezug der relationalen Generationsdimension eröffnet den Blick auf Generationskonstellationen, die durch historisch je unterschiedliche Differenzen, Konflikte und Brüche gekennzeichnet sind, die in der sprachlichen Interaktion ausgetragen werden.

Als vierte Dimension soll hier zusätzlich die Produktion von Ideologien in Form von Altersbildern und Generationsstereotypen unterschieden werden, die sich in je zeitgebundener Topik, in Redensarten und in Diskursen niederschlagen und ihre Wirksamkeit entfalten.

3.2Soziolinguistische Arbeitsfelder

Diese vier Aspekte und ihr Zusammenspiel sollen hier als soziolinguistische Arbeitsfelder veranschaulicht werden, wie sie in den Beiträgen des vorliegenden Sammelbandes berücksichtigt werden.

3.2.1Der gesellschaftliche Generationsbegriff in Sprachgeschichte und Sprachwandel

Betrachten wir das Generationskonzept als Schlüssel zur Analyse gesellschaftlicher Bewegungen durch die Zeit, so erschließen sich unmittelbar auch Prozesse sozialen und sprachlichen Wandels, wie sie in kulturwissenschaftlich ausgerichteten Studien zur Sprachgeschichte und zum Sprachwandel erörtert werden. Das Generationskonzept wird insbesondere von der jüngeren Sprachgeschichtsschreibung fruchtbar aufgegriffen.

Die Rede ist von der ‚48er-Generation‘ des 19. Jahrhunderts, und im 20. Jahrhundert hat insbesondere die ‚68er-Generation‘ von sich reden gemacht.26 In der Geschichtsschreibung wird ein solches politisches Generationsbewusstsein vor allem durch eine Kritik am Autoritarismus der Etablierten, durch eine bewusste Abkehr von der als belastet empfundenen Vergangenheit und eine Einforderung emanzipatorischer Handlungsweisen im privaten wie öffentlichen Leben gekennzeichnet. Die Zäsur eines politischen Geschehens in Umbruchzeiten, eine kollektive Mobilisierung und die Entwicklung einer politischen Programmatik im Kontrast zur vorangegangenen Zeit und zur Vätergeneration mögen in diesem Kontext als konstituierende Momente für die Zuweisung von Generationsbegriffen gelten.

Kämper geht in diesem Band der Frage nach, wieso von einer 45er-Generation des 20. Jahrhunderts nicht gesprochen wird, und auch die für die ← 22 | 23 → deutsch-deutsche Geschichte so wesentliche Zäsur von 198927 hat nicht zu einer entsprechenden Generationsbezeichnung geführt. Fix/Scheichardt belegen in diesem Band, dass gleichwohl generationelle Bewusstseinslagen ausgemacht und nicht nur im gesellschaftlich-historischen Kontext beschrieben werden können. So lassen sich generationelle Spuren in der Sprachgeschichte erkennen, Prägungen in Lexik, Topik, Phraseologie, Spezifika in Wortbildung und Diskuspraxis, wie sie in den Beiträgen des Kapitels III in diesem Band genauer erörtert werden. Scharloth präsentiert aber auch kritische Kommentare und spricht sich für eine differenzielle Verwendung der Begriffe Generation, soziale Bewegung und soziale Milieus aus.

Was sich synchron als Variation je gegenwärtigen Sprachgebrauchs darstellt, zeigt sich unter dem Aspekt des gesellschaftlichen Generationsbegriffs und der generationellen Folge in Phänomenen kulturellen und sprachlichen Wandels. Gerstenberg entfaltet diesen Kontext in diesem Band und weist dabei der Jugend eine wichtige Rolle als periodisierende Entität durch die Entwicklung und Ausbreitung sprachlicher Innovationen zu. Der gesellschaftliche Generationsbegriff ist somit nicht nur für die synchrone Analyse von Generationen in der Sprachgeschichte, sondern ebenso für die Beschreibung und Erklärung des diachronen Zusammenhangs von Generation und Sprachwandel von Bedeutung.

Jugendliche sind generationelle Akteure besonderer Art, die – wie Bühler-Niederberger/König in ihrem Beitrag zeigen – ihre Statuspassage eigenaktiv ausgestalten, soziale Rollen und Spielräume erweitern und neue Handlungsmuster erproben. Wie die linguistische Jugendsprachforschung seit den 80er Jahren herausgearbeitet hat, führen Prozesse der Veränderung vom Gewohntem, des Abweichens vom Üblichen zur Bildung neuer kultureller Sprachstile, die identifikatorische Repräsentation und soziale Distinktion bewirken.28 Insofern war der Sprachgebrauch Jugendlicher schon immer ein – wenn auch bescheidener – Faktor des Sprachwandels.29

Die These einer eigenständigen Varietätengenese und ihrer Transition im Sinne eines generationsspezifischen Sprachwandels wird in diesem Band vor allem von Zimmermann vertreten. Wie Christen anhand dialektaler Daten nachweist, ist allerdings auch Skepsis gegenüber einem Pauschalurteil angebracht, dass Jugendliche stets die Rolle von „Anderssprechern“ übernehmen. Bei der Deutung sprachlicher wie metasprachlicher Daten ist der Aspekt der generationellen Zugehörigkeit gegenüber anderen soziolinguistischen Variablen zu relati ← 23 | 24 → vieren. Auch Brommer/Dürscheid bestätigen die These von Jugendlichen als ‚Neuerern‘ aufgrund ihrer Beobachtungen zur Nutzung (virtueller) sozialer Netzwerke und vor allem zur Gestaltung neuer Kommunikationsformen Jugendlicher im Internet.

Wie aber hat sich der gesellschaftliche Generationsbegriff bei der aktuellen öffentlichen Zuschreibung zu einer ‚Generation Facebook‘, ‚Twitter‘ o. ä. verändert? Von den in diesem Abschnitt einleitend genannten Charakteristika spielt zweifellos die Massenhaftigkeit der Nutzungsbewegungen noch eine Rolle; von einer historischen Zäsur und einer politischen Programmatik kann hingegen keine Rede sein: Der gesellschaftliche Generationsbegriff scheint sich deutlich von einem politischen zu einem kulturellen verlagert zu haben, wenn der Kontrast zur vorvergangenen Zeit und zur Vätergeneration sich auf eine höhere Medienkompetenz bezieht und Anzeichen eines kulturellen Wandels im Gebrauch von Sprache und Kommunikation als kulturelle Medien erkennbar werden.

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Abb. 3:Generation Facebook?

3.2.2Der familiale Generationsbegriff in Sprachentwicklung und Sprachsozialisation

Die Bedeutung der familialen Generationsdimension für sprachwissenschaftliche Fragestellungen wurde bereits in den Abschnitten über die Eltern-Kind-Kommunikation (1.1) und die sprachliche Sozialisation (2.1) hervorgehoben. Im Beitrag von Pujolar wird aus sprachbiographischer Perspektive verfolgt, wie sich sprachliche Repertoires über die Lebenszyklen hinweg mit entscheidenden Zäsuren in Erziehung, Ausbildung, Berufstätigkeit und Familiengründung verändert.

Braches-Chyrek arbeitet in diesem Band die Bedeutung des familialen Generationskonzepts als Bezugsrahmen für die Tradierung und Transmission von Wissen aus bildungswissenschaftlicher Sicht heraus. Auch in dem in den westlichen Industrienationen vorherrschenden Typ der nur noch zwei Generationen ← 24 | 25 → umfassenden Familie spielt die familiale Leistung der kulturellen Reproduktion immer noch eine wichtige Rolle, wenn auch die korrespondierende Bedeutung von Peer-Groups und Online-Communities und sozialen Netzwerke elektronischer Medien zweifellos zugenommen hat.

Dennoch werden die Domänen Familie, Schule/Beruf und Freizeit und entsprechende domänentypische Handlungs- und Ausdrucksweisen im Bewusstsein von Sprachbenutzern klar unterschieden.30 Die Kommunikation mit jüngeren und älteren Geschwistern, sofern diese noch im Familienverbund leben, ist zugleich ein Übungsfeld für altersdifferentiellen Sprachgebrauch wie für das Respektieren oder auch Missachten von Altersnormen und Generationsrollen. Wie Quasthoff/Krah in ihrem Beitrag anschaulich nachweisen, ist die Sprache der Eltern-Generation ein wesentlicher Einflussfaktor für die Diskursfähigkeit von Kindern, aber auch – in Anknüpfung an die frühen soziolinguistischen Studien zur sprachlichen Sozialisation – immer noch für die Perpetuierung von sozialer Variation und damit verbundener Ungleichheit von Bildungschancen.

Familiare Kommunikationsprozesse sind immer auch in der relationalen Generationsdimension zu erfassen. Insgesamt scheint diese als Subtext auch den beiden vorgenannten Dimensionen zu unterliegen.

3.2.3Der relationale Generationsbegriff in der intergenerationellen Kommunikation

Die relationale Generationsdimension ist für sozio- und pragmalinguistische Fragestellungen besonders fruchtbar, werden doch die unterschiedlichen generationellen Konstellationen interaktiv ausgetragen, und dies oft mit sehr unterschiedlichen Gesprächsmustern und -regeln. So bilden v.a. Vater-Sohn-Konflikte wichtige Motive in der familialen und gesellschaftlichen Kommunikation in fiktionalen wie in nicht-fiktionalen, in historischen wie aktuellen Texten.

Im Beitrag von Schumacher wird ein frühes Zeugnis eines Wortkampfgesprächs zwischen Vater und Sohn: Das Hildebrandslied aus dem 9. Jahrhundert analysiert. In diesem Wortgefecht zwischen altem und jungem Held steht zwar die relationale Generationsdimension im Mittelpunkt, doch erklärt sich diese erst im historisch-gesellschaftlichen Kontext des mittelalterlichen Konzepts von Generationsdifferenz.

Aus aktueller strukturiert Fiehler den Bereich der intergenerationellen Kommunikation nach einem Drei-Generationen-Modell der Jugendlichen, Erwachsenen sowie rüstigen bzw. gebrechlichen Alten und verweist – der alterslinguistischen Forschung entsprechend (vgl. Kap. 1.3) – auf Unterschiede in ← 25 | 26 → Kommunikationsinhalten, -stilen und -normen. Probleme der Verständigung zwischen den Generationen bilden immer wieder ein aktuelles Diskussionsthema in der medialen Öffentlichkeit, die die „Bedrohung“ der Verständigung dem unterschiedlichen Sprachgebrauch von Jugendlichen und Erwachsenen zuschreibt (Kap. 2.1). Verständigung zwischen den Generationen stellt daher nicht nur in der familialen Spracherziehung, sondern auch im schulischen Sprachunterricht ein wichtiges Thema dar. Steffin-Özlük skizziert die Bemühungen, das Lernziel kommunikative Kompetenz im Deutschunterricht auch auf die intergenerationelle Kommunikation zu beziehen und mit Lehrwerktexten zu veranschaulichen, die die Generationsbeziehungen nicht nach dem Bild von zwei getrennten Welten konstruieren.

An dieser Stelle kann der gesellschaftlich-historischen Generationsdimension und damit der ‚Bewegung durch die Zeit‘ (vgl. Kap. 3.1) weiterführende Erkenntnisse vermitteln: Wie haben sich generationelle Ordnungen und damit auch intergenerationelle Kommunikationen gerade auch im familialen Kontext in den letzten Jahrzehnten verändert? Wie sind die Ergebnisse der Jugendsprachforschung zu deuten, dass die Bedeutung der sozialen Abgrenzung beim Gebrauch der Jugendsprache heute – zumindest explizit – nicht mehr eine so große Rolle zu spielen scheint, wie es etwa in der 68er-Generation der Fall gewesen sein mag? Können wir dies als linguistische Belege für die soziologische These vom Schwinden der Generationsdifferenzen ansehen? Und spricht nicht auch die rasche Übernahme jugendsprachlicher Ausdrucksweisen in die Allgemeinsprache für eine weitere Entgrenzung der Jugend als Entwicklungsphase zugunsten des Phänomens „Jugendlichkeit“ als Prestigefaktor?

Auch in der intergenerationellen Interaktion spielen also Konstruktionsprozesse eine wichtige Rolle, sei es im Sinne von Annahmen über Rezeptions- und Formulierungsvermögen, worüber uns – wie Lindorfer zeigt – seit kurzem wichtige neue psycholinguistische Erkenntnisse vorliegen, sei es im Sinn von Vorurteilen und Stereotypen.

Zusammenfassung

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.

Details

Seiten
440
ISBN (PDF)
9783653043228
ISBN (ePUB)
9783653986624
ISBN (MOBI)
9783653986617
ISBN (Buch)
9783631651445
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (Dezember)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 440 S., 20 s/w Abb., 16 Tab.

Biographische Angaben

Eva Neuland (Band-Herausgeber:in)

Eva Neuland lehrt im Fach Germanistik/Didaktik an der Bergischen Universität Wuppertal. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Deutsche Sprache und ihre Didaktik, Soziolinguistik, Gesprächs- und Textlinguistik, Deutsch als Fremdsprache sowie Interkulturelle Kommunikation.

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Titel: Sprache der Generationen