Lade Inhalt...

Karrieremapping für Nautikerinnen und Nautiker

Eine evidenzbasierte Analyse von Handlungsempfehlungen zur Einrichtung eines "Graduiertenkolleg Nautik</I>

von Susanne Neumann (Autor:in)
Dissertation 589 Seiten

Zusammenfassung

Das Buch liefert Handlungsempfehlungen für die Einrichtung eines Graduiertenkollegs Nautik, das im Gegensatz zu anderen Fachrichtungen bis heute nicht existiert. Inhaberinnen und Inhaber nautischer Befähigungszeugnisse sind bei Berufsantritt für den Dienst an Bord gut qualifiziert. Ein Karriereweg in wissenschaftliche Bereiche wird nach der Zeit auf See aber selten in Betracht gezogen. Ein möglicher Grund könnte im Mangel an strukturierten Promotionsmöglichkeiten im Rahmen eines Graduiertenkollegs liegen. Die Autorin zeigt, wie etwaige Kompetenzlücken geschlossen und so der Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn für Nautikerinnen und Nautiker erleichtert werden könnte. Die Handlungsempfehlungen basieren u. a. auf Erstellung und Abgleich eines Anforderungs-, Kompetenz- und Erwartungsprofils.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danke!
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • 1. Einleitung, Problemstellung, Zielsetzung
  • 2. Aufbau der Arbeit
  • 3. Karrieremapping
  • 3.1 Karrierebegriff und Karrieremapping
  • 3.2 Phasen der Karriereverläufe
  • 3.3 Karrieren im Wandel
  • 3.4 Karriereorientierungen: Karriereanker nach Edgar Schein
  • 3.5 Karriere und Kompetenz
  • 3.5.1 Kompetenzbegriff
  • 3.5.2 Allgemeine Kompetenzanforderungen
  • 3.5.3 Zusammenhang zwischen Karriere und Kompetenz
  • 3.6 Karrieremanagement
  • 3.7 Karriere und Gender (Gender im Fokus)
  • 3.8 Karriere und Lebenszufriedenheit
  • 4. Berufsbild Nautikerin/Nautiker
  • 4.1 Definition des Nautikers bzw. der Nautikerin und Eingrenzung des Forschungsgegenstands
  • 4.2 Mögliche Gründe für die Berufswahl
  • 4.3 Ausbildung zur Nautikerin bzw. zum Nautiker
  • 4.3.1 Ausbildung zur Nautikerin bzw. zum Nautiker im historischen Überblick
  • 4.3.2 Wege zum Erwerb des nautischen Befähigungszeugnisses
  • 4.3.3 Ausbildungsinhalte des Nautik-Studiums
  • 4.4 Arbeiten und Leben an Bord – besondere Herausforderungen des Nautiker-Berufs
  • 4.5 Seefahrt und Gender (Gender im Fokus)
  • 4.6 Berufliche Perspektiven im primären Arbeitsbereich der Seeschifffahrt
  • 4.7 Ein „typischer“ Karriereweg von Nautikerinnen und Nautikern
  • 4.7.1 Verweildauer von Nautikerinnen und Nautikern an Bord
  • 4.7.2 Mögliche Gründe für den Wechsel an Land und damit verbundene Herausforderungen
  • 4.7.3 Eine „typische“ Karrieremap von Nautikerinnen und Nautikern
  • 4.8 Sekundäreinsatzmöglichkeiten von Nautikerinnen und Nautikern an Land und damit verbundene Herausforderungen
  • 4.8.1 Sekundäreinsatzmöglichkeiten in nicht-wissenschaftlichen Bereichen
  • 4.8.2 Sekundäreinsatzmöglichkeiten in wissenschaftlichen Bereichen
  • 4.9 Weiterbildungsmöglichkeiten auf Graduiertenniveau im Bologna-Prozess für Nautikerinnen und Nautiker
  • 4.9.1 Änderung der allgemeinen Studienstruktur im Rahmen des Bologna-Prozesses
  • 4.9.2 Die neue Rolle der Fachhochschulen bei der Bereitstellung von Weiterbildungsmöglichkeiten auf Graduiertenniveau im Bologna-Prozess
  • 4.9.3 Weiterbildungsmöglichkeiten auf Graduiertenniveau für Nautikerinnen und Nautiker innerhalb des Bologna-Zyklusses
  • 5. Erstellung von Kompetenz-, Anforderungs- und Erwartungsprofil
  • 5.1 Erstellung des Kompetenzprofils
  • 5.1.1 Vorgehensweise bei der Datenerhebung und Datenauswertung zur Erstellung des Kompetenzprofils
  • 5.1.2 Datenauswertung
  • 5.1.3 Kompetenzprofil (Ergebnisse der Untersuchung)
  • 5.2 Anforderungsprofil (Empirie 1)
  • 5.2.1 Methodische Grundlagen der empirischen Untersuchung zur Erstellung des Anforderungsprofils
  • 5.2.2 Datenauswertung
  • 5.2.3 Anforderungsprofil (Ergebnisse der Untersuchung)
  • 5.3 Erwartungsprofil (Empirie 2)
  • 5.3.1 Methodische Grundlagen der empirischen Untersuchung zur Erstellung des Erwartungsprofils
  • 5.3.2 Datenauswertung
  • 5.3.3 Erwartungsprofil (Ergebnisse der Untersuchung)
  • 6. Abgleich von Kompetenz-, Anforderungs- und Erwartungsprofil: Diskussion der Ergebnisse
  • 7. Benchmarkanalyse (BMA) ausgewählter Qualifizierungssysteme auf Graduiertenniveau
  • 7.1 BMA 1: Qualifizierungssystem Nautik in der DDR (historisch/Nautik)
  • 7.2 BMA 2: Qualifizierungssysteme ausgewählter Länder (international/Nautik)
  • 7.2.1 BMA 2-A: Qualifizierungssystem Spanien
  • 7.2.2 BMA 2-B: Qualifizierungssystem Belgien
  • 7.3 BMA 3: Qualifizierungssysteme in nicht-nautischen Fachrichtungen in Deutschland (national/nicht-Nautik)
  • 7.3.1 BMA 3-A: Midwifery
  • 7.3.2 BMA 3-B: Rettungsingenieurwesen
  • 8. Ableitung von Handlungsempfehlungen aus der Benchmarkanalyse zum Füllen der „Gaps“
  • 9. Einrichtung eines „Graduiertenkolleg Nautik“ als möglicher Lösungsansatz zum Füllen der identifizierten „Gaps“
  • 9.1 Beschreibung der Einrichtung „Graduiertenkolleg“
  • 9.2 Beispiele für „kooperative Graduiertenkollegs“
  • 9.3 Diskussion der Eignung eines „Graduiertenkolleg Nautik“ für die Doktorandenausbildung in nautischen Bereichen
  • 10. Diskussion der Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen für die Einrichtung eines „Graduiertenkolleg Nautik“
  • 10.1 Zu beachtende Kriterien bei Einrichtung des „Graduiertenkolleg Nautik“
  • 10.2 Vorschlag für den strukturellen Aufbau des „Graduiertenkolleg Nautik“
  • 10.3 Empfehlungen bezüglich eines möglichen Gerüstes für die Gestaltung des begleitenden Veranstaltungsprogramms
  • 11. Schlussbetrachtung
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang 1: Interview-Leitfaden Empirie 1
  • Anhang 2: Kurzbeschreibung zur Bildung der Kategorien für das Anforderungsprofil
  • Anhang 3: Interview-Leitfaden Empirie 2
  • Anhang 4: Kurzbeschreibung zur Bildung der Kategorien für das Erwartungsprofil

| 11 →

Abbildungsverzeichnis

| 13 →

Tabellenverzeichnis

| 15 →

Abkürzungsverzeichnis

| 21 →

1. Einleitung, Problemstellung, Zielsetzung

Über 90% der weltweiten Warenströme werden über den Seeweg abgewickelt – auf Schiffen, die von Nautikerinnen und Nautikern1 geführt werden (vgl. Efthimios E. Mitropoulos 2005 nach International Transport Workers’ Federation 2006: 5).2 i Unter Nautikerinnen und Nautikern sind Kapitäninnen und Kapitäne sowie i.d.R. erste, zweite und dritte nautische Offizierinnen und Offiziere zu verstehen, die in einem interkulturellen Umfeld nach allen geltenden Vorschriften das Schiff, die Besatzung und die Ladung weltweit sicher von Hafen zu Hafen bringen. Dafür müssen sie u.a. moderne technische Geräte überwachen und bedienen, ein Schiff navigieren und manövrieren, die Be- und Entladung des Schiffes planen und überwachen, die Besatzungsmitglieder unterer Ränge führen sowie administrative Aufgaben erledigen. Sieben Tage die Woche, und das meist über Monate. Dabei kann es zu Stress im Wechsel mit Langeweile kommen – in einer physisch belastenden Arbeitsumgebung, den verschiedensten Gefahren ausgesetzt, getrennt von Familie und Freunden und häufig in sozialer Isolation, ohne Chance auf regelmäßige Landgänge (vgl. Gerstenberger und Welke 2008: 244 f. und Ship Management International 2011: 60 ff.).ii

Es handelt sich um einen herausfordernden, meist gut bezahlten, Beruf in dem junge Menschen die Möglichkeit erhalten, relativ früh in verantwortungsvolle Positionen und – in den streng hierarchischen Strukturen an Bord – „nach oben“ zu gelangen. Führungspositionen an Bord eröffnen Nautikerinnen und Nautikern dann gewisse Freiheitsgrade und eine besondere Machtstellung (vgl. Sornn-Friese und Ørts Hansen 2012: 146).iii ← 21 | 22 → Bedingt durch die langen Abwesenheitszeiten werden Nautikerinnen und Nautikern natürlich auch ähnlich lange Urlaubszeiten an Land gewährt (vgl. Snowdon 2011).iv

So hat zwar jedes Berufsbild seine Vor- und Nachteile – aufgrund der Besonderheiten des Nautiker-Berufsbildes mit seinen speziellen Belastungen für das individuelle Wohlbefinden und das Familienleben verbringen Nautikerinnen und Nautiker jedoch üblicherweise nicht ihr gesamtes Berufsleben an Bord. Vor dem Hintergrund, dass das übergeordnete Ziel bei jeder Entscheidung, die Menschen im Leben treffen, immer das Streben nach Zufriedenheit zu sein scheint, ist ein Berufswechsel durchaus nachvollziehbar – wenn die erwähnten Belastungen auf Dauer zu Unzufriedenheit führen würden (vgl. Pietzcker 2010: 186). Folglich suchen viele Nautikerinnen und Nautiker nach einer gewissen Weile an Bord nach Karrierealternativen an Land (vgl. Singh 2013, European Community Shipowners’ Associations und European Transport Workers’ Federation 2013: 6, Bundesverband der See- und Hafenlotsen e.V. 2003: 3, Schleswig-Holsteinischer Landtag 2009: 2, von Unruh 2007: 68, Back und Rach 2003: 6 nach Bubenzer 2008: 102, vgl. Gerstenberger und Welke 2005: 243 und Gerstenberger und Welke 2008: 279). Dieser Umstand beschert dem Nautiker-Beruf seine Bezeichnung als „Durchstiegsberuf“ (Dabels 2008: 18).

Wenn es bei einer Vielzahl von Personen zu typischen, immer wiederkehrenden Positionenfolgen kommt, entsteht ein Karrieremuster, welches auch als überzufällige Häufung ähnlicher Karriereverläufe zu verstehen ist (vgl. Biemann 2008: 16). Bezogen auf Nautikerinnen und Nautiker würde der typische Karriereverlauf also einen Berufswechsel von einer Bord- in eine Landposition beinhalten. Von diesem typischen Karriereverlauf wird in vorliegender Arbeit ausgegangen.

Dieser Wechsel in Landpositionen ist allerdings keineswegs als negativ zu bewerten. Nautikerinnen und Nautiker sind zwar primär für die Seefahrt ausgebildet, aber auch die maritime Wirtschaft an Land – der Sekundärmarkt für Seeleute – benötigt Personen, die mit seefahrtspezifischen Kompetenzen ausgestattet und akademisch ausgebildet3 sind (vgl. Sornn-Friese ← 22 | 23 → und Ørts Hansen 2012: 134).v Klassische Betätigungsfelder an Land stellen beispielsweise die Schiffsinspektion oder das Flottenmanagement einer Reederei oder die behördliche Seeunfalluntersuchung dar (vgl. Pettit, Gardner, Marlow, Naim und Nair 2005: 522 und Pohl 2005: 63 ff. und siehe Kapitel 4.8).

Zurückkommend auf die gerade erwähnte Zufriedenheit erscheint es empfehlenswert, dass sich Nautikerinnen und Nautiker bei ihrer beruflichen Neuorientierung ein Betätigungsfeld aussuchen, das eine hohe Zufriedenheit verspricht. Neumann und Schmidt haben sich in ihrem Diskussionspapier „Glücksfaktor Arbeit“ mit der Frage beschäftigt, wie denn ein Arbeitsplatz aussehen müsste damit er glücklich und zufrieden macht (vgl. Neumann und Schmidt 2013: 3). Dabei ist ihnen aufgefallen, dass Berufe mit höheren Qualifikationsanforderungen gleichsam auch einen höheren Anteil Hochzufriedener aufweisen (vgl. Neumann und Schmidt 2013: 11): „So ist der Anteil der Hochzufriedenen beispielsweise bei Wissenschaftlern, wissenschaft­lichen Lehrkräften, Physikern, Ingenieuren und Führungskräften besonders groß. Demnach dürften berufliche Eigenschaften wie etwa komplexe und anspruchsvolle Aufgaben, Vielfalt der Tätigkeiten, weitgehend eigenständiges Arbeiten, aber auch Ansehen und ein hohes berufliches Prestige positiv auf die Lebenszufriedenheit wirken…Würde man also allein den Beruf zum entscheiden­den Kriterium für die Lebenszufriedenheit machen, müsste man allen Menschen empfehlen, als Wissen­schaftler zu arbeiten“ (Neumann und Schmidt 2013: 11 f.).vi

Weitere Karrierealternativen, die der Wissenschaft zugerechnet werden können oder in denen anspruchsvolle Aufgaben mittels wissenschaftlichen Arbeitens gelöst werden, stellen z.B. Tätigkeiten in maritimen Forschungseinrichtungen, in Beratungsgesellschaften, in generell mit (Forschungs-)Pro­jekt­arbeiten befassten Bereichen von Organisationen (Unternehmen, Behörden, Verbänden etc.) und in Hochschulen dar (vgl. Enders und ← 23 | 24 → Kottmann 2009b: 113).4 Hier können Nautikerinnen und Nautiker mit ihren Kompetenzen und Erfahrungen wertvolle Beiträge leisten: „However, the more experienced and professional mariners, whether as engineers, mates, masters or pilots can provide extremely useful inputs to research activities. Their knowledge, which although taken for granted by them­selves, often provides a very valuable input to a research team“ (Habberley 1997: 305).

Grundzüge der – in den oben geschilderten Bereichen erforderlichen – Kompetenz des wissenschaftlichen Arbeitens können im grundständigen Nautik-Studium, das an Fachhochschulen (nicht aber an Universitäten) angeboten wird, erworben werden. Erweitert und vertieft werden kann diese Kompetenz dann in einem Master-Studium. In manchen Positionen wird jedoch eine besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der Regel durch die hervorragende Qualität einer Promotion nachgewiesen werden sollte, erwartet (vgl. Schleswig-Holsteinischer Landtag 2009: 4).vii viii Beispielhaft können hier Nautik-Professuren an Fachhochschulen genannt werden.ix

Details

Seiten
589
ISBN (PDF)
9783653055757
ISBN (ePUB)
9783653965162
ISBN (MOBI)
9783653965155
ISBN (Hardcover)
9783631664230
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Juni)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 589 S., 26 s/w Abb., 33 Tab.

Biographische Angaben

Susanne Neumann (Autor:in)

Susanne Neumann studierte im Anschluss an ihre Berufsausbildung zur Industriekauffrau Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Kiel. Nach einigen Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin begann sie ein von der Universität Vechta und der Hochschule Bremen gemeinsam getragenes Promotionsprojekt.

Zurück

Titel: Karrieremapping für Nautikerinnen und Nautiker